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Kaarst: So funktioniert eine Glocke

Kaarst : So funktioniert eine Glocke

Heute Mittag läuten die Kirchenglocken zum Ende der Fastenzeit. Jede für sich ist ein Unikat. Experte Udo Schmitz erklärt anhand der Glocke der Büttgener Aldegundis-Kirche, wie der Klang erzeugt wird.

Wenn am Karsamstag um 12 Uhr mittags die Kirchenglocken läuten, ist die siebenwöchige Fastenzeit beendet. Heutzutage vernehmen wir den Klang meist als Ankündigung zum Gottesdienst. "Aber eigentlich begleitet uns die Glocke von der Wiege bis zur Bahre", sagt Udo Schmitz. Den Büttgener erfüllt es stets mit Stolz, wenn er das Geläut der Aldegundis-Kirche hört. Schmitz war Mitglied eines Vereins, der vor 25 Jahren die Anschaffung der fünften Glocke realisierte. Der NGZ erklärte er, wie Kirchenglocken eigentlich funktionieren.

Jede Glocke ist an ein bewegliches Joch befestigt, über das sie Schwung aufnimmt. Das Joch kann aus Stahl sein oder aus Holz, was im Vergleich für einen besseren Klang sorgt. Der freihängende Klöppel schlägt an den Schlagring am unteren Ende der Glockenwand und erzeugt die Töne. "Früher war es häufig die Aufgabe der Nachbarschaft, an den Seilen zu ziehen, um die Glocken zu läuten", weiß Schmitz aus eigener Erfahrung. Seine Kindheit verbrachte er nahe der alten Kirche St. Martin in Kaarst.

Auch in der Büttgener Aldegundis-Kirche sind die Spuren der Seile noch sichtbar. Ihre Aufgabe hat heute die Läutemaschine übernommen. Welche Melodie erklingt und wie die Glocken zueinander spielen, legt die Läuteordnung der Erzdiözese fest. Alle fünf Glocken wie in Büttgen läuten nur bei besonderen Anlässen wie zu Ostern oder zur Christmette. Das "tiefe C" wiederum ist die Sterbeglocke.

Wie eine Glocke gegossen wird, kann auch bei Friedrich Schiller nachgelesen werden. Sie besteht aus einem Gerippe, das die Stärke der Glockenwand und ihre Proportionen vorgibt. Dieses wird fest in den Erdboden gestellt, damit sie sich nicht verformt, wenn die 1200 Grad heiße Flüssigkeit eingegossen wird. Meist wird Bronze verwendet, in den späten Kriegsjahren wählte man auch Zink.

Dadurch, dass ein Künstler die Glocke gestaltet und sie eine Inschrift sowie Reliefs bekommt, ist jede Glocke ein Unikat. Der gewünschte Ton wird per Stimmgabel bereits vor dem Guss am Gerippe eruiert. Für die Qualität des Klangs spielt auch der Glockenturm eine Rolle. "Es wurden Tonkrüge mit eingemauert, um Resonanzen zu bekommen", sagt Udo Schmitz. Auch die richtigen Jalousien nehmen Einfluss. Am Beispiel des Aldegundis-Kirchturms sagte einst der Sachverständige: "Hier würde selbst eine Blechbüchse gut klingen".

(NGZ)