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"Ruhrpott-Choleriker" Herbert Knebel zu Gast: Skurriler Nörgler im "Club Medityrannei"

"Ruhrpott-Choleriker" Herbert Knebel zu Gast : Skurriler Nörgler im "Club Medityrannei"

In Kaarst ist Herbert Knebel ja längst kein Unbekannter mehr - jetzt kam der liebenswerte und skurrile Ruhrpott-Choleriker erstmals ohne sein "Affentheater" - lediglich Ötzi Ostermann spielte zwischendurch mal mit seiner Gitarre auf. Ansonsten galt: Weniger Musik, noch mehr Herbert Knebel - "Affentheater" gab es trotzdem jede Menge. In Kaarst ist er längst kein Unbekannter mehr: Der "Ruhrpott-Choleriker" Herbert Knebel zog das Kabarett-Publikum im Albert-Einstein-Forum nicht nur mit seinen Erinnerungen an einen Urlaub im "Club Medityrannei" auf seine Seite. Lacher erntete er auch für viele andere, übersteigert präsentierte Geschichten aus dem Alltag. NGZ-Foto: L. Berns

In Kaarst ist Herbert Knebel ja längst kein Unbekannter mehr - jetzt kam der liebenswerte und skurrile Ruhrpott-Choleriker erstmals ohne sein "Affentheater" - lediglich Ötzi Ostermann spielte zwischendurch mal mit seiner Gitarre auf. Ansonsten galt: Weniger Musik, noch mehr Herbert Knebel - "Affentheater" gab es trotzdem jede Menge. In Kaarst ist er längst kein Unbekannter mehr: Der "Ruhrpott-Choleriker" Herbert Knebel zog das Kabarett-Publikum im Albert-Einstein-Forum nicht nur mit seinen Erinnerungen an einen Urlaub im "Club Medityrannei" auf seine Seite. Lacher erntete er auch für viele andere, übersteigert präsentierte Geschichten aus dem Alltag. NGZ-Foto: L. Berns

Kann man einen Choleriker, der sich über die Fliege an der Wand aufregt, sympathisch finden? Man kann, wenn er zufällig Herbert Knebel heißt. Seine übersteigerten Alltagsgeschichten kamen beim verwöhnten Kaarster Kabarett-Publikum sehr gut an, und das völlig zu Recht. Der Mann, der seine Ideen aus Alltagssituationen bezieht und sie überspitzt darstellt, hatte die Lacher schnell auf seiner Seite. Immer wieder wurden kleine Tabus gebrochen - so schilderte der Frührentner aus dem Revier mit dem kindlichen Gemüt in aller Ausführlichkeit die Peinlichkeiten, die von seinen Blähungen herrührten.

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Ebenfalls rührend: Sein Song zum Thema "Sexualität im Alter". Ein Trost für alle, die Angst davor haben: "Es ist noch Suppe da." Die aberwitzige Art von Herbert Knebel saß, seine Nörgeleien und Grantigkeiten waren immer wieder von genial einfachen Gedanken unterfüttert. Was soll man machen, wenn der Verkehr vor der Tür so stark ist und die Grünphase so kurz, dass man gedopt sein muss, um die Straße unversehrt überqueren zu können? Köstlich auch die Übertreibungen in Bezug auf die Erinnerungen an den Urlaub im "Club Medityrannei". Knebels Appell an seine Gustel: "Lass uns abdampfen aus dem Archipel, bevor es zu spät ist."

Die Zuschauer erfuhren, dass Liebe auf den ersten Blick keine solide Grundlage für eine dauerhafte Beziehung ist. Eine wesentlich gesündere Einstellung: "Ich nehme dich, weil du auch nicht viel schlechter bist als die anderen." Herbert Knebel erwies sich immer wieder als genauer Beobachter, der zwar übertrieb, im Kern aber vollkommen richtig lag. Da bekamen beispielsweise die notorischen Hobby-Renovierer ihr Fett weg: "Fußboden erhöhen, Decke absenken - das spart Heizkosten." Der Nachteil: "Es wird flach wie früher im Schacht." War das Programm von Herbert Knebel flach? Ganz und gar nicht - hinter seiner Nörgelei steckte immer eine Spur Wahrheit, und irgendwie fühlten sich die Zuschauer angesprochen von dem, was der skurrile Nörgler da von sich gab.

Er sinnierte über die ekeligen Hundehaufen - offenbar nicht nur in Kaarst ein Thema - und sympathisierte mit den Vampiren: "Die liegen tagsüber in der Kiste, gehen abends auf die Piste und lassen sich vollaufen, bis der Arzt kommt." Ob Knebel auch gern Blut schlürft? Ein Altbier, das er probierte, mundete ihm auf jeden Fall nicht: "Das erinnert mich an meine Eigenurin-Behandlung", so sein Geschmacksurteil. Seine Gedanken kreisten nicht nur rund ums Ruhrgebiet, sondern reichten bis zum Teutoburger Wald: "Da haben die Römer von Hermann so einen vor die Glocken gekriegt, dass sie sich erst wieder in den Sechziger Jahren, verkleidet als Gastarbeiter, nach Deutschland gewagt haben." Es machte Spaß, dem alten Schwadronierer, der längst Kultstatus genießt, zuzuhören. Rudolf Barnholt