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Kaarst: SG Kaarst sucht einen neuen Vorsitzenden

Kaarst : SG Kaarst sucht einen neuen Vorsitzenden

Nach neun Jahren an der Spitze von Kaarsts größtem Sportverein stellt sich Heinz Wieland am Sonntag nicht mehr zu Wiederwahl.

Es waren ziemlich harte Zeiten, durch die Heinz Wieland "seine" Sportgemeinschaft (SG) Kaarst hindurchmanövriert hat — vor allem in finanzieller Hinsicht. Als der heute 70-Jährige das Amt vor neun Jahren von seinem Vorgänger Hubert Mieruch übernahm, hatte der mit rund 6000 Mitgliedern größte Breitensportverein im Rhein-Kreis schwer an den Kosten für den Bau des Sport- und Gesundheitszentrums an der Pestalozzistraße zu schleppen. Die finanziellen Sorgen waren existenziell. "Heute", sagt Heinz Wieland, "schreibt der Verein wieder schwarze Zahlen. Das Sportzentrum trägt sich selber, wir müssen nicht mehr zubuttern."

Wenn am Sonntag die Delegierten der SG Kaarst zur ordentlichen Jahreshauptversammlung zusammenkommen, wird er auch deshalb nicht mehr zur Wiederwahl für den Posten des Vorstandsvorsitzenden antreten. "Das, was ich erreichen wollte, habe ich erreicht", sagt Wieland. Nach neun Jahren ist jetzt ein anderer am Zug.

Als seinen Nachfolger wird der scheidende Vorsitzende Leo Erdtmann, bislang Vorsitzender des alle 24 Abteilungen zusammenführenden Sportausschusses der SG Kaarst, empfehlen. "Leo Erdtmann fungiert jetzt schon als internes Bindeglied und Ansprechpartner für andere Kaarster Vereine in Bezug auf die künftige Ausrichtung des Sports in der Stadt", sagt Wieland. "Er ist ein Mann, der weiß, wo er hin will, und das ist wichtig." Denn: Auch wenn die finanziell problematischen Zeiten überstanden zu sein scheinen — einen Verein mit immerhin 40 Angestellten zu führen, ist und bleibt eine große Verantwortung.

Heinz Wieland, der als früherer Abteilungsleiter "Leichtathletik" im Verein als kritischer Mann vom Fach gilt, war sich dieser in den vergangenen neun Jahren immer bewusst. Die Investition in den Bau des Sportzentrums auf einem Erbpachtgelände der Stadt — inklusive eines anfangs selbst betriebenen Bistros — forderte von ihm gravierende Sparmaßnahmen. Ein striktes Ausgabenmanagement und eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge waren die Folge. Auch die Gehälter wurden gekürzt.

"Das war der Preis dafür, dass wir einen Großteil des Personals behalten konnten", sagt Wieland. "Darauf habe ich großen Wert gelegt." 2008 wurde schließlich der Gastronomiebereich ausgegliedert. "Der Verein hatte damals große Ziele", sagt Wieland. "Er wollte ein Haus führen, ohne zu wissen, wie das überhaupt funktioniert. Unter den Folgen hat auch das Image gelitten." Dieses in der Öffentlichkeit wieder aufzupolieren und das Gemeinschaftsgefühl des Großvereins zu stärken — das war Heinz Wielands erklärtes Ziel.

Dafür hat er viel getan. Ein Beispiel: In einem Projekt stellt sich die SG Kaarst 2010 als einer der ersten Sportvereine überhaupt dem Thema "Sexueller Missbrauch im Sport". Alle 200 Übungsleiter besuchten Seminare und unterschrieben einen Ehrenkodex. "Heute", sagt Wieland, "habe ich das Gefühl, dass die SG auf dem richtig Weg ist. Und das ist eine Gemeinschaftsleistung."

(NGZ/rl)