Kaarst: Segler plant "Rolli-Boot"

Kaarst: Segler plant "Rolli-Boot"

Stephan Krings vom Kaarster Segelclub hat lange bedauert, dass Rollstuhlfahrer das Erlebnis Segeln nicht richtig mitempfinden können. Nun hat er eine kleine Yacht entworfen, die auch behinderte Menschen nutzen können.

Stephan Krings vom Kaarster Segelclub (KSC) steigt problemlos in jedes Segelboot. Seit mehr als 40 Jahren genießt er das Erlebnis und die Ruhe auf dem Wasser. Beides teilt der Sonderschullehrer gerne und organisierte daher Segelfreizeiten mit behinderten Menschen. "Das Segeln macht sie sehr ausgeglichen", sagt Krings. Das Problem bei Rollstuhlfahrern: Sie müssen in das Boot gehoben werden und auf den Bänken sitzen. "Damit wird ihnen das Gefühl der Sicherheit genommen und damit auch das Segelerlebnis", sagt Krings.

Bereits seit längerem dachte der 50-Jährige an ein rollstuhlgerechten Segelboots. Als er seinem Vereinsvorsitzendem Thomas Rheinbold davon erzählte, war der sofort aufgeschlossen. Der Segler-Verband NRW wurde als zweiter Partner gewonnen, der Grünen-Landtagsabgeordnete aus Kaarst, Hans Christian Markert, ist Schirmherr.

Krings, Rheinbold und Markert feilen zusammen mit Ulrich Haase und Enno Klepper vom Segler-Verband NRW in einem Arbeitskreis an dem Projekt. "Anfangs wollten wir ein Boot umbauen, doch das wäre zu teuer geworden. Deshalb wird es jetzt eine komplette Neuentwicklung", sagt Krings. Die Behinderten können in dem Boot mitfahren, aber auch mitmachen. "Sie können die Segel setzen und bergen, sie durch die Schoten bedienen und das Boot auch steuern", erläutert Krings. Der Einmaster wird die Maße einer kleinen Segelyacht haben, sieben Meter lang und zweieinhalb Meter breit sein. Weil die Kajüte fehlt, ist genug Platz für bis zu vier Rollstuhlfahrer und Begleitpersonen. Das Heck wird offen sein, so dass die Rollstuhlfahrer über Rampen aufs Boot kommen, wo sie festgeschnallt werden. Im Notfall kommen sie mit einem Handgriff aus der Sicherung heraus. Der Segelbaum wird in einer Höhe sein, bei der sich kein Rollstuhlfahrer ducken braucht, wenn das Segel bewegt wird.

Weiterhin sollen zur Ausstattung ein Hubkiel und ein Elektromotor gehören. Auf einem Anhänger lässt sich das rund 1500 Kilogramm schwere Boot mit einem größeren Mittelklassewagen transportieren. Die kleine Segelyacht ist als sogenanntes Inklusionsboot geplant, nicht allein für die Zielgruppe Rollstuhlfahrer. "Für mich macht das gemeinsame Erlebnis die Inklusion aus — für behinderte und nichtbehinderte Menschen", sagt Krings. Der Kostenrahmen für das "Rolli-Boot" lässt sich bisher nur grob auf 40 000 bis 80 000 Euro schätzen. Krings und Co. warten nun auf ausgearbeitete Pläne, und dann gilt es, Sponsoren zu finden. Am liebsten würden die Verantwortlichen die Yacht auf der Messe "boot" Anfang 2013 in Düsseldorf präsentieren.

(stef)