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Kaarst: Schützen für mehr Toleranz

Kaarst : Schützen für mehr Toleranz

Der Büttgener Grenadierzug "Knapp bei Kasse" hat im Internet eine Protestaktion gegen das Auftrittsverbot für gleichgeschlechtliche Königspaare gestartet. Brudermeister zur digitalen Offensive: "Entspricht dem Zeitgeist."

Im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften sind künftig offizielle Auftritte gleichgeschlechtlicher Königspaare nicht mehr möglich. Der für alle Bruderschaften verbindliche Beschluss vom 11. März bietet Diskussionsstoff – auch im Rhein-Kreis. Jetzt formiert sich sogar interner Protest beim Bund. Der Büttgener Grenadierzug "Knapp bei Kasse" hat die Protestaktion "Schützen gegen Homophobie" gestartet.

Die Büttgener Schützen haben in den vergangenen Tagen über eine Internetseite mehr als 250 Unterschriften für eine Petition gesammelt, damit der Bund seinen Beschluss korrigiert. "Es ist das Bild entstanden, Schützen seien homophob", sagt Mitinitiator Frank Hüsgen. Nach einem Rechtsgutachten fordert jetzt auch die Anti-Diskriminierungsstelle den Bund zur Rücknahme auf. Demnach sei es ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz. Ebenso dürfe er sich als Verein nicht auf Sonderklauseln der ihm verbundenen katholischen Kirche berufen.

Warum die ganze Aufregung? Der Bund der Historischen Schützenbruderschaften beschloss Mitte März auf seinem Verbandstag in Leverkusen mit überaus deutlicher Mehrheit von 450 Stimmen bei nur 28 Gegenstimmen ein Verbot von schwulen Königspaaren. 18 Enthaltungen wurden gezählt. Der Verband vertritt damit die Linie, dass homosexuelle Schützenkönige bei Umzügen nicht mehr neben ihrem gleichgeschlechtlichen Lebenspartner auftreten sollen. Dem Partner eines schwulen Schützenkönigs ist es dennoch erlaubt, in der zweiten Reihe hinterher zu gehen. "Es wäre aber schön, wenn der König sich für offizielle Anlässe eine Ersatzkönigin nimmt", sagte Verbandssprecher Rolf Nieborg.

Damit wollen und können die jungen Büttgener Schützen nicht leben. Ihnen geht es um Grundsätzliches. Sie sehen die Ideale der Bruderschaften "für Glaube, Sitte und Heimat" verletzt. "Heimat ist da, wo jeder so akzeptiert wird, wie er ist", sagt Hüsgen. Der Bund stützt sich auf die katholische Glaubenslehre. "Ausgrenzung hat nichts mit christlichen Werten zu tun", so Hüsgen. Die Initiative unterstützt auch Markus Leßmann, ebenfalls Mitglied des Zuges "Knapp bei Kasse". Der Präsident des Festausschusses in der Büttgener St.-Sebastianus-Bruderschaft vertritt seine ganz persönliche Meinung: "Ich weiß, dass es für manche Menschen schwierig ist, offen mit dem Thema Homosexualität umzugehen. Aber der Beschluss ist diskriminierend". Zugkamerad Georg Hämel will aus diesem Grund ein Zeichensetzen: Er will sein Silbernes Verdienstkreuz und den Hohen Bruderschaftsorden zurückgeben.

Nach Auffassung von Büttgens Brudermeister Ludger Heintz ist der Verbotsbeschluss des Bundes zwar "unglücklich", aber er versichert auch, dass er und die Bruderschaft sich an die Regeln des Bundes halten werden: "Wir würden hier eine Lösung finden." Die Privatinitiative des Zuges entspricht in Heintzes Augen "dem Zeitgeist".

(NGZ)