Kaarst: Schülerin engagiert für Inklusion

Kaarst : Schülerin engagiert für Inklusion

Die 17-jährige Kaarster Schülerin Jenny Schöler hat in London an einem Jugendcamp teilgenommen, das sich mit dem Thema Inklusion beschäftigte. In ihrem Verein hat die Tischtennisspielerin bereits Konzepte ausprobiert.

Der Moment sei einfach unbeschreiblich gewesen: Jenny Schöler, Tischtennisspielerin der DJK Holzbüttgen erlebte bei den Olympischen Spielen in London live, wie ihre Vorbilder um den deutschen Starspieler Timo Boll die Bronzemedaille im Mannschaftswettbewerb gewannen. "Die ganze Halle hat gebebt. Weil alle Engländer für den Gegner aus Hongkong waren, mussten wir besonders viel Stimmung machen", erzählt sie.

Die 17-Jährige war aber nicht nur als Sporttourist vor Ort. Mit dem Landessportbund NRW reiste sie nach London in ein Jugendcamp, bei dem sich 120 Teilnehmer aus NRW, Niedersachsen und Berlin in verschiedenen Workshops mit dem Thema "Inklusion" beschäftigten. "Integriert sind die behinderten Menschen inzwischen, doch was Inklusion bedeutet, ist vielen Leuten noch nicht bewusst", sagt Jenny Schöler.

Inklusion steht für gemeinsame Unternehmungen behinderter und nicht-behinderter Menschen — in der Schule, im Beruf und in der Freizeit. Die Jugendlichen erarbeiteten Konzepte zu verschiedenen Sportarten, die Menschen mit verschiedenen Behinderungen gemeinsam mit solchen ohne Handicap betreiben können.

"Wichtig ist, dass bei der Inklusion nicht der Leistungssport, sondern der gemeinsame Spaß am Sport im Vordergrund steht", sagt die Schülerin vom Georg-Büchner-Gymnasium. Gemäß des olympischen Gedankens: "Dabeisein ist alles". Jenny Schöler befasste sich mit dem Sport, den sie seit zehn Jahren erfolgreich ausübt: Tischtennis. Ihrer Gruppe gehörte auch ein Junge mit Gehfehler an. Um nicht-behinderte mit behinderten Menschen an der Platte zu vereinen, stellten die Jugendlichen neue Regeln auf.

"Blinde könnten mit einer Klingel im Ball spielen", erklärt sie. Die Jugendlichen probierten es mit verbundenen Augen aus und versuchten, nur nach Gehör den Ball — noch ohne Klingel — zu treffen. "Manchmal trafen wir sogar, aber vor allem haben wir festgestellt, dass wir immer nur knapp vorbeischlugen", so die 17-Jährige.

Für Menschen mit Amputationen schrieben sie eine kleinere Tischtennisplatte ins Regelwerk, für Kleinwüchsige ein Podest, für Epileptiker eine gepolsterte Platte, für geistig Behinderte größere Schläger und Bälle. Schöler hofft, dass Vereine oder Schulen die Anregungen aufnehmen. "Generell kann ich mir vorstellen, dass es auch bei mir im Verein einmal ausprobiert wird", sagt sie. Die 17-Jährige möchte nach ihrem Abi Sportwissenschaften studieren — um dann möglicherweise die Inklusion selber voranzutreiben.

(NGZ/rl)
Mehr von RP ONLINE