Kaarst: Schüler schlüpfen in den Alltag dementer Senioren

Kaarst: Schüler schlüpfen in den Alltag dementer Senioren

Der Dialog zwischen Jung und Alt ist eigentlich einfach - das erlebten jetzt 16 Schüler der zehnten Klassen der Elisabeth-Selbert-Realschule. Im Fach katholische Religionslehre hatten sie am "Projekt zur Verständigung der Generationen" teilgenommen und trafen in Begleitung von Fachlehrerin Inge Heil auf sehr gesprächsbereite Senioren im Johanniterstift. Zugleich konnten die Schüler an 13 Stationen dem Tagesablauf eines dementiell erkrankten Menschen nachspüren.

Initiiert wurde das Projekt erneut von Seniorenbeiratsmitglied Gerda Linden. In fünf Unterrichtsstunden hatte sie im Vorfeld zum Thema Alter informiert, vor allem zur notwendigen Empathie. "Die Schüler sind eine tolle Truppe, die mich manchmal sprachlos gemacht hat", gestand Linden. In der Gesprächsrunde hörten die Schüler gebannt zu, wie das Ehepaar Alfred (96) und Christa (93) Meyer aus seinem Leben erzählte, wobei der Fokus auf der Schul- und Berufsausbildung lag. "Lernt Sprachen", so der eindeutige Appell von Alfred Meyer, der mit Hilfe seiner Englisch-Kenntnisse sowohl die Kriegsgefangenschaft überlebte als auch eine berufliche Karriere aufbauen konnte. Lucia Pietryga (92) durfte aus politischen Gründen keine Auslandskorrespondentin werden: Es reichte "nur" zur Buchhalterin. Hildegard Monissen (90) war als Friseurmeisterin tätig, was damals eine Seltenheit war.

Die Jugendlichen machten deutlich, dass ihnen die Familie sehr wichtig ist. Man müsse sie behüten, denn man wisse nie, wann es zu Ende sei. Der Wunsch nach Mehrgenerationenwohnen wurde laut, aber unter der Prämisse eines persönlichen Rückzugsorts. Einrichtungsleiterin Rosel Band machte anhand ihrer eigenen Karriere von der Kinderkrankenschwester bis zu heutigen Position Werbung für ihren Berufsstand. Denn Nachwuchs werde dringend gesucht, da es auch immer mehr Demenzkranke gebe.

Deren Welt erlebten die Schüler durch den Parcours: Anhand von Spiegelboxen wurden selbst einfachste Aufgaben so schwer, dass die Jugendlichen tief in die Gefühlswelt eines hilflosen Menschen eintauchen konnten: "Ich komme mir verlassen und verwirrt vor", meinte Souumiaa. "Ich verzweifle hier", war von Zoltan zu hören und Leon kam sich gar "dämlich" vor. Alle waren sich einig, dass dieses Projekt wesentlich zum besseren Verständnis der Generationen beitrug.

(keld)