1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: Schnellzüge bremsen nicht

Kaarst : Schnellzüge bremsen nicht

Nach Ansicht der Jusos Kaarst-Korschenbroich passieren Züge mit stark überhöhter Geschwindigkeit den Bahnhof in Büttgen. Darin sehen die SPD-Jungpolitiker ein Sicherheitsrisiko. In einem offenen Brief haben sie sich an die Bahn gewandt.

Alle 20 Minuten hält wochentags die S-Bahn von Mönchengladbach kommend in Büttgen; Gleiches gilt in umgekehrte Richtung. Neben der S8 passieren weitere Züge den Bahnhof, ohne jedoch anzuhalten: der Regional-Express mit seiner Linie 4 zwischen Aachen und Düsseldorf, der Maas-Wupper-Express (RE13), vereinzelt Fernzüge und vor allem nachts Güterzüge. Bei ihrer Durchfahrt entsteht ein ordentlicher Windzug. Nach Ansicht der Jusos Kaarst-Korschenbroich liegt das daran, dass die Schnellzüge mit stark überhöhter Geschwindigkeit, ohne abzubremsen, durch die Bahnhöfe fahren.

Gleiche "gefährliche Szenen" sieht der SPD-Nachwuchs an den Bahnhöfen in Korschenbroich und Kleinenbroich. Der Juso-Vorsitzende Christopher Kaucke beschreibt Szenen, bei denen "morgens aufmerksame Leute andere Bahnfahrer an den ohnehin schon überfüllten und schmalen Bahnhöfen im letzten Moment noch von der Bahnsteigkante wegziehen". Dies sei keine Seltenheit, "und passiert meist bei Verspätungen, wenn die Zugführer versuchen, die Verspätung einzufahren und auf das vorgeschriebene Abbremsen verzichten", sagt Kaucke.

Eine solche Gefahr könne und dürfe nicht einfach so billigend in Kauf genommen werden, so der Juso-Chef. In einem offenen Brief haben sich die Jusos damit jetzt an die Deutsche Bahn gewandt — mit unterzeichnet von den Vorsitzenden der Fraktionen, Stadt- und Ortsverbände der beiden Kommunen. Darin wird die Bahn aufgefordert, ihre Zugführer anzuhalten, die Züge vor der Bahnhofsdurchfahrt abzubremsen.

Tatsächlich gibt es für die Triebfahrzeugführer — so der offizielle Titel — auf dieser Strecke keine Vorschrift, bei der Durchfahrt von Bahnhöfen die Geschwindigkeit zu drosseln. "Es gibt verbindliche Sicherungsmaßnahmen. Diese werden bei Bahnhöfen nach einem von unserer Aufsichtsbehörde, dem Eisenbahnbundesamt, legitimierten Bewertungsverfahren ermittelt und festgelegt. Zu den Eingangsparametern dieser Risikobewertung zählt unter anderem auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Züge", erklärt ein Bahnsprecher auf Anfrage der NGZ.

Auf der Strecke zwischen Neuss und Mönchengladbach ist eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometer zulässig. Güterzüge fahren grundsätzlich nur zwischen 80 und 100 km/h, bei den Regionalzügen hängt ihr Tempo davon ab, wo sie losgefahren sind und welche Geschwindigkeit sie deshalb überhaupt erreicht haben. Die Einhaltung der Geschwindigkeit wird an der Strecke technisch überwacht. Bei Übertretung würde automatisch eine Zwangsbremsung eingeleitet.

"Unsere Triebfahrzeugführer werden außerdem intensiv für Gefahrensituationen geschult. Dies beinhaltet eine genaue Fahrwegbeobachtung, insbesondere während der Vorbeifahrt am Bahnsteig", so der Bahnsprecher. Ein Abbremsen bei der Durchfahrt, heißt es, würde nämlich zu viel Zeit und Energie kosten.

(NGZ)