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Kaarst: Schlamm für den Bürgermeister

Kaarst : Schlamm für den Bürgermeister

Vor einem halben Jahr hat die Bürgerinitiative Grundwasser Wasser und Schlick aus dem Nordkanal entnommen. Mittlerweile stehen viele Keller stehen unter Wasser. Am Montag tritt der AK Grundwasser erstmals zusammen.

Im September vergangenen Jahres sah die Welt noch ganz anders aus: Damals zählte die Bürgerinitiative Grundwasser Kaarst ungefähr 85 Mitglieder und der Vorstand um Klaus-Dieter Pruss, Bernhard Burghaus und Dagmar Spona wirkte ziemlich resigniert, wenn es um das Thema "Entschlammung des Nordkanals" ging. Damals ging Bürgermeister Franz-Josef Moormann auch noch fest davon aus, dass es nicht nötig sein würde, den aufgelösten Arbeitskreis Grundwasser neu zu installieren. Und – nasse Keller waren vor sechs Monaten nur für wenige Kaarster ein real existierendes Problem.

50 nasse Keller

Damals, im September 2010, haben Pruss, Burghaus und Spona eine Schlammprobe aus dem Nordkanal entnommen (die NGZ berichtete). Gestern nahm der Verwaltungschef die Flaschen mit dem Etikett "Blanc du Canal" im Rathaus entgegen – wohl wissend, dass die Situation heute eine ganz andere ist. Die Grundwasserstände sind in diesem Frühjahr so hoch, wie seit den 60er Jahren nicht mehr. Auch der Nordkanal führt seit Monaten Hochwasser. 50 nasse Keller wurden der Initiative bis gestern allein in den vergangenen Wochen anonym gemeldet: 11 in Vorst, 15 in Holzbüttgen, 17 im Broicherdorf, zwei an der Stakerseite, zwei auf der Neusser Furth und drei in unbekannten Ortsteilen. Dass die Bürgerinitiative deshalb mittlerweile weit mehr als 85 Mitglieder hat, ist keine große Überraschung. Klaus-Dieter Pruss sagt: "Das ist ein Zeichen dafür, dass der Leidensdruck wächst."

Die Erkenntnis ist auch bei der Politik angekommen. Im Januar hatte der Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss beschlossen, den einstigen Arbeitskreis Grundwasser neu ins Leben zu rufen. Am Montag tritt dieser zu seiner ersten Sitzung zusammen.

Dessen Aufgabe, sagt Pruss, sei es nun, eine Gebührensatzung für die Umlage des Beitrages zum Nordkanalverband vorzubereiten. Die Umlage der Kosten, die der Stadt Kaarst durch die Mitgliedschaft im Nordkanalverband entstehen, ist aus Sicht der Bürgerinitiative der erste von zwei notwendigen Schritten zur Finanzierung der Nordkanalentschlammung. Der zweite Schritt, heißt es, sei der Beschluss des Nordkanalverbandes, die Entschlammung in Angriff zu nehmen.

(NGZ)