1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: Schlamm bereitet weiter Sorgen

Kaarst : Schlamm bereitet weiter Sorgen

Der Förderkreis Holzbüttgen und Bürger Alois Kaulen drängen mit Blick aufs Grundwasser weiter auf die Reinigung und Entschlammung des Nordkanals. Seit dem Orkan Kyrill würden noch mehr Stämme und Äste im Wasser liegen, das Schlamm-Problem verschärfen .

Vorst Vögel zwitschern, das Grün sprießt - doch die drei Männer, die auf dem Pfad durchs Gebüsch zum Nordkanal gehen, haben für etwas ganz Anderes Augen. "Da, sehen Sie, haben sich Schlamminseln gebildet, und dort liegen Äste quer im Bach. Die halten wie Rechen Schlamm fest, der Nordkanal verschlammt damit immer weiter", sagt Franjo Rademacher, Vorsitzender des Förderkreises Holzbüttgen.

Wenige Meter hinter der Einmündung des Jüchener Bachs sucht sich das Wasser an den kleinen Inseln im Kanal vorbei seinen Weg, zwei weggeworfene Kunststoffeimer sind zu sehen. "Viele Jahre hat der Nordkanalverband seine Aufgabe nicht wahrgenommen, den Kanal zu pflegen. Er spricht von Renaturierung, in unseren Augen ist das ein Argument, nichts zu tun", so Rademacher.

Nordkanal-Anwohner Alois Kaulen kennt weitere solcher Stellen: "Nach dem Orkan Kyrill liegen Bäume und Sträucher über den Nordkanal. Dadurch verschärft sich das Schlamm-Problem weiter. Der Zustand ist eine Katastrophe."

Die Entschlammung - ein Dauerthema. Laut Rademacher sind 900 Kaarster Haushalte vom Grundwasser-Anstieg betroffen. "Bei uns am Haus schrammt das Grundwasser an der Bodenplatte", schildert Dr. Rudolf Waldmann, Mitglied des Arbeitskreises Grundwasser beim Förderkreis. Die Hoffnung: Nach der Entschlammung soll der Kanal Grundwasser ableiten. Im vergangenen Jahr scheiterte jedoch eine Sammelaktion dafür.

Zu wenige Bürger waren bereit, sich finanziell zu beteiligen. Rademacher will aber nicht lockerlassen, sieht Handlungsbedarf: "Wir messen regelmäßig: Die Schlammschicht wächst Jahr für Jahr um ein, zwei Zentimeter, ist bereits über 80 Zentimeter dick."

Vor wenigen Tagen waren Politiker und Bürger bei einer Gewässerschau des Verbandes vor Ort. Dr. Waldmann hielt danach mit Dr. Heinrich Kalthoff seine Eindrücke in einem Schreiben an Bürgermeister Franz-Josef Moormann, zugleich Vorsitzender des Nordkanalverbandes, fest.

Der Übergang des Jüchener Bachs in den Nordkanal sei "durch Unrat aller Art" erschwert. Das wachsende "Schlammpaket" führe schon in Kürze zur Aufhebung des Gefälles. Bei starkem Regen komme es zum Rückstau, Wasser versickere vermehrt in den Boden.

Der Kanal erfüllt zwar laut Rademacher seine Aufgabe, Oberflächenwasser abzuleiten. Grundwasser könne er aber nicht aufnehmen, da das Wasser "wegen des Schlamms oberhalb des Grundwasserspiegels fließt". Er tritt für eine umfassende Lösung ein: Der Förderkreis fordere, den Nordkanalverband aufzulösen und das Einzugsgebiet des Jüchener Bachs und Nordkanals, möglichst auch der Triet, in einem Verband zusammenzufassen. Der solle Gebühren für die Pflege erheben dürfen.

Rademacher hegt noch eine andere Hoffnung, wie der Kanal sein Gesicht wandeln könnte - als Denkmal: Der von Napoleon initiierte Nordkanal ist "untrennbar mit dem Schicksal der Kaarster Ortsteile verbunden. Er hätte verdient, gut gepflegt als Bodendenkmal ein Wahrzeichen von Kaarst zu sein." Eine Initiative dazu ist bereits aus dem Projekt "Brücken über den Nordkanal" entstanden.

Verbandsvorsitzender Moormann war am Freitag zurückhaltend. Die Vorwürfe von Kaulen seien bei der Gewässerschau einbezogen worden. "Überlässt der Mensch die Natur ihrer eigenen Entwicklung, können Verhältnisse und Eindrücke entstehen, die von Menschen als ungeordnet und nicht akzeptabel eingeschätzt werden. Ob das im Hinblick auf sich entwickelnde ökologische Verhältnisse dauerhaft hingenommen wird, bedarf einer abwägenden Entscheidung", so Moormann.

"Arbeiten wir alle Argumente sorgfältig auf und gewichten wir im Anschluss daran." Deutlicher wird Rolf Rottländer (SPD), das Vorstandsmitglied im Verband war bei der Schau dabei. "Der verschlammte Abschnitt liegt nicht in der Abflussrinne, behindert nicht die Abflussfunktion des Nordkanals." Und auch der Baumschnitt, der nach Kyrill dort im Wasser liege, "ist, wie uns erläutert wurde, wasserrechtlich zulässig", so Rottländer.

Für eine Entschlammung zur Senkung des Grundwasser-Spiegels aber werde nach der 2006 "im Sand verlaufenen" Finanzierungsaktion aus "der Politik und aus dem Rathaus heraus keine Initiative mehr zustande kommen. Die muss jetzt von anderer Seite ausgehen."

Die Initiative ergriffen hat die UWG: "Wir haben vor Monaten die Untere und die Obere Wasserbehörde gebeten, die Möglichkeit der Entschlammung des Nordkanals im Rahmen der Gewässerunterhaltungspflicht zu überprüfen", erklärt Norbert Drüeke.

Wir sind enttäuscht, dass die Obere Wasserbehörde in ihrer Antwort keine Veranlassung sieht, gegen das Verhalten der Unteren Wasserbehörde einzuschreiten und diese zu Aufsichtsmaßnahmen" gegenüber dem Nordkanalverband anzuhalten. "Unsere Argumente wurden gar nicht aufgegriffen", so der UWG-Politiker. "Wir haben dagegen Widerspruch eingelegt."

(NGZ)