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Kaarst: S 8: Zu warm, zu voll, zu muffig

Kaarst : S 8: Zu warm, zu voll, zu muffig

Seit die Deutsche Bahn auf der S-Bahn-Strecke nach Neuss und Düsseldorf wieder alte Bahnen einsetzt, häufen sich die Beschwerden. Im Hochsommer, so die DB, sollen wieder die neuen klimatisierten Züge rollen.

7.26 Uhr. Der Bahnsteig am Bahnhof Büttgen ist gut gefüllt. Kinder und Jugendliche möchten zur Schule nach Neuss und Düsseldorf, Erwachsene zu ihrer Arbeitsstelle. Die S8 ist pünktlich. Verspätungen sind diesmal nicht das Problem. Aber in den Waggons haben bereits jetzt viele Fahrgäste nur einen Stehplatz. Es riecht muffig, und bei hohen Außentemperaturen wird es unangenehm warm. "Es ist wirklich eine Frechheit", sagt Lukas Wallesch ohne Umschweife. "Die Bahn ist um diese Zeit so voll, dass Leute zum Teil nicht mehr einsteigen können."

Den 19-Jährigen hat es selbst bereits erwischt. Er kommt morgens mit dem Auto und will eigentlich mit der Bahn weiter in die Schule. "Ich musste schließlich mit dem Auto fahren. Aber dann frage ich mich, wozu ich mir ein Schoko-Ticket leiste", sagt er. Auch Anne Gutwirt hat zuletzt dieselbe schlechte Erfahrung mit der Bahn gemacht. "Sogar morgens um viertel vor sechs ist sie schon voll", berichtet sie. Gemütlich findet sie es im Zug nicht. "Es stinkt und wird sehr warm", sagt sie.

Die S-Bahn fährt vor. Einige Schüler staunen: "Es ist noch Platz!" Vier Waggons sind an die Lokomotive angehängt. Dabei handelt es sich aber um ältere Modelle, die eigentlich ausrangiert sein sollten. Sie sind laut, die Sitze beschmiert und bemalt, die Scheiben zerkratzt. "Die neuen Waggons waren größer, ich hab immer einen Sitzplatz gefunden. Da hat das Fahren Spaß gemacht", sagt Lukas Wallesch. Jetzt muss er vier oder fünf Türen abgehen, bis er einsteigen kann.

Die modernen Modelle zog die Deutsche Bahn auf der Strecke wieder aus dem Verkehr. Mutmaßungen von Fahrgästen, dass das Unternehmen absichtlich alte Züge einsetzt, weil Jugendliche sie immer verschmutzen würden, bezeichnet Bahnsprecher Udo Kampschulte als "völlig falsch". Die neueste Baureihe ET 422 musste von den Gleisen genommen werden, weil ein Fehler in der Software keine höhere Geschwindigkeit als 100 Stundenkilometer erlaubte. Dann wäre es auf langen Strecken wie zwischen Mönchengladbach und Hagen zu Verspätungen gekommen.

Mit den aktuell eingesetzten Zügen halte die Deutsche Bahn, so Kampschulte, die Qualität, wie sie vor der Einführung der ET 422 gegeben war. Mehr als vier Waggons könne sie aus einem einfachen Grund nicht bieten: Es seien keine mehr übrig. Eine Besserung erhofft sich der Bahnsprecher für Ende Juni. "Der Hersteller der neuen Triebwagen, Bombardier, hat den Fehler gefunden und sich dafür entschuldigt. Die neue Software liegt nun zur Genehmigung beim Eisenbahnbundesamt vor", so Kampschulte.

Zum Hochsommer sollen die neuen, klimatisierten Züge wieder rollen, sagt der Bahnsprecher. Die Doppeltraktionen bieten dann wieder mehr Platz.

(NGZ)