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Kaarst: Realschule will Flüchtlinge unterrichten

Kaarst : Realschule will Flüchtlinge unterrichten

Die Elisabeth-Selbert-Schule hat bei der Bezirksregierung einen Antrag zur Einrichtung einer sogenannten Migrantenklasse gestellt.

Die Elisabeth-Selbert-Realschule steckt mitten in den Vorbereitungen zum Anmeldeverfahren für eine künftige Gesamtschule am eigenen Standort. Sollten die benötigten 100 Fünftklässler zusammenkommen, startet im kommenden Sommer der erste Jahrgang parallel zum Realschulbetrieb. Allein das stellt die Schulleitung schon vor eine logistische und organisatorische Herausforderung. Ein Klassenzimmer müsste dennoch freigehalten werden. Die Schule hat bei der Bezirksregierung Düsseldorf den Antrag zur Einrichtung einer sogenannten Migrantenklasse gestellt. Wird dem stattgegeben, startet zum neuen Schuljahr auch dort der Unterricht.

Hintergrund ist der bundesweite Anstieg der Asylbewerberverfahren. Um den ausländischen Flüchtlingen eine Unterkunft bieten zu können, wurden vor sechs Wochen im ehemaligen St. Alexius-Krankenhaus in Neuss 150 Plätze eingerichtet. Alle sind belegt und damit stieg vor Ort der Bedarf, den schulpflichtigen Kindern eine entsprechende Betreuung zu bieten. "Wir haben eine Anfrage von der Schulaufsicht bekommen, ob die Möglichkeit dazu besteht", erklärt Schulleiter Daniel Wienold. Die eigene Antragsstellung ist der bürokratische nächste Schritt. "Ziel ist es, den Kindern eine Betreuung zu geben, damit sie nicht den ganzen Tag im Übergangsheim verbringen", so Wienold.

Der Pädagoge rechnet vor allem mit Kindern aus dem ehemaligen Jugoslawien, denn Flüchtlinge aus diesen Staaten derzeit auch den größten Anteil der Asylsuchenden stellen. Die Kinder würden nicht in den Regelschulbetrieb integriert, sondern bilden eine eigenständige Klasse. Für 15 Schüler bekäme die Elisabeth-Selbert-Realschule eine Lehrerstelle zugeteilt. In der Migrantenklasse säßen dann Kinder zwischen zehn und 17 Jahre. "Sie sollen hier vor allem die deutsche Sprache lernen", sagt der Schulleiter. Er stellt sich vor, dass in kleinen Lerngruppen gearbeitet wird. Dabei muss nicht allein der klassische Unterricht mit Deutsch als Fremdsprache auf dem Stundenplan stehen, auch mit Fächern wie Kunst, Musik oder Mathematik können die Sprachkenntnisse vermittelt werden. "Es ist durchaus vorstellbar, dass die Kinder später einen Teil im normalen Unterricht hospitieren", so Wienold.

Wie viel Zeit ein Schüler in der Migrantenklasse verbringt, hängt alleine vom Verlauf des Asylbewerberverfahrens ab. Jederzeit könnte er den Unterricht also wieder verlassen. Am Ende gibt es für ihn kein übliches Zeugnis mit Noten, sondern eine Beurteilung der Schule. Die Elisabeth-Selbert-Realschule wäre die erste Schule in Kaarst mit einer Migrantenklasse. Die Wahrscheinlichkeit einer Zusage lässt sich nicht bewerten. "Bis zum kommenden Schuljahr kann sich die Lage auch wieder entspannt haben", sagt Wienold.

(stef)