Kaarst: Realschule Kaarst fürchtet um ihre Existenz

Kaarst : Realschule Kaarst fürchtet um ihre Existenz

Wegen der geplanten Gesamtschule verzeichnet die Realschule Halestraße bereits jetzt ein sinkendes Interesse potenzieller Fünftklässler.

Kaarst Für Jürgen Bosse fühlt sich das Leben, bezogen auf seine Aufgaben als Leiter der städtischen Realschule Halestraße, gerade ein bisschen so an wie unsichtbar sein: Seine Schule steht dort, wo sie immer stand — sowohl im inhaltlichen wie auch im tatsächlichen Sinn.

Aber irgendwie will sie im Moment niemand wahrnehmen. Schuld daran, vermutet der Realschulleiter, ist die Tatsache, dass viele Eltern wegen der geplanten Gesamtschulgründung gerade nach Büttgen blicken; und, dass Informationen über einer vorbehaltliche Schließung der Haupt- und der Realschule am künftigen Gesamtschulstandort durcheinandergeworfen werden mit der Annahme, dass die Schließung auch die Kaarster Realschule trifft.

Beim Tag der offenen Tür vor ein paar Wochen hat Jürgen Bosse das deutlich gespürt. "Es waren merklich weniger Interessenten als da in den vergangenen Jahren", sagt er. "Bei einigen Eltern von Viertklässlern ist offenbar der Eindruck entstanden, dass es die Realschule Halestraße bald nicht mehr gibt. Es wäre traurig, wenn wir deshalb in Existenzschwierigkeiten kämen, denn diese Schule ist quicklebendig. Und Kaarst braucht mehr als zwei Gymnasien und eine Gesamtschule: Kaarst braucht die Realschule als zusätzliche Schulform."

Bislang gab es daran auch keine Zweifel. Es gab immer genug Eltern, die sich bewusst für das Modell Realschule und das Umfeld in Kaarst entschieden — auch bei zurückgehenden Schülerzahlen. 480 Schüler kommen derzeit auf insgesamt 28 Lehrer. Das hat zur Folge, dass fast jeder Pädagoge fast jeden Schüler persönlich kennt.

Grundsätzlich strebt die Realschule die Zusammenführung von Theorie und Praxis an. Das muss auch so sein, weil es für gut die Hälfte der Schüler nach der Klasse 10 (Fachoberschulreife) "ernst" wird. Rund 50 Prozent beginnen eine Berufsausbildung.

Die andere Hälfte besucht weiterführende Schulen — die Fachoberschule, die höhere Berufsschule oder, bei entsprechender Eignung, eine Gesamtschule oder ein Gymnasium. "Oft sehen Eltern im Gymnasium oder der Gesamtschule den einzigen Weg, ihr Kind zum Abitur zu bringen", sagt Bosse. "An der Realschule Kaarst wird aber seit vielen Jahren mehr als ein Drittel der Schüler mit einem Qualifikationsvermerk entlassen, der es ihnen ermöglicht, das Abitur in Oberstufe zu erlangen. Und viele Schüler nutzen diese Möglichkeit."

Ein "sanfter Übergang", sowohl von der Grund- zur Realschule, aber auch von der Realschule ins Berufsleben, ist das erklärte Ziel von Bosses Team. In den Klassen 5 und 6 — der Erprobungsstufe — werden die Realschüler intensiv beobachtet und, falls nötig, in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik gezielt unterstützt.

In der Klasse 9 und 10 wiederum stellt die Berufswahlvorbereitung einen besonderen Schwerpunkt dar. Dabei bleiben die Schüler bis zum Schluss im Klassenverband. "Gemeinsames Lernen findet also auch bei uns statt", sagt Jürgen Bosse. "Das gibt es nicht nur in der Gesamtschule."

Eine Besonderheit der Realschule Halestraße ist die Unterstützung außerhalb des Unterrichts. "Als einzige Schule in Kaarst bieten wir seit mehr als zehn Jahren eine erweiterte Schulsozialarbeit an, die über die Kräfte hinausgeht, die von der Stadt finanziert werden", sagt Bosse. "Eine Lehrerstelle wurde hier zusätzlich in eine Sozialarbeiterstelle umgewandelt." Allein Ganztagsunterricht — den gibt es an der Realschule Halestraße bislang nicht.

Jeder Schüler hat circa einmal pro Woche Nachmittagsunterricht. Seit Anfang 2010 gibt es einen Bereich für die Mittagsbetreuung und eine Mensa, in der ein Caterer warmes Essen anbietet. "Und ganz ehrlich", sagt Jürgen Bosse, "der Ganztag war in Kaarst bislang aber auch nicht besonders gefragt."

(NGZ/ila)
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