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Kaarst: Raiffeisenbank will eigenständig bleiben

Kaarst : Raiffeisenbank will eigenständig bleiben

Ende April geht Direktor Heinz-Josef Maaßen in den Ruhestand. Ein Nachfolger für den Vorstandsvorsitz ist bereits gefunden.

Heinz-Josef Maaßen braucht mehr Zeit: Zeit für die Familie, Zeit zum Reisen, Zeit für "seinen" Verein Borussia Dortmund, Zeit, um die Umsiedlung seines Zuhauses zu planen. Maaßen lebt nämlich in einem jener Stadtteile von Erkelenz, die in den kommenden zwei bis drei Jahren dem Braunkohletagebau "Garzweiler" weichen müssen. Wo genau sich der heute 59-Jähre dann mit Anfang 60 von seinem Geburtsort aus "hinverpflanzen" lassen wird, muss noch verhandelt werden. Sicher ist: Mit einem kurzen Gespräch ist es da nicht getan. So eine Entscheidung braucht wie gesagt Zeit, und Zeit ist etwas, was der Direktor und Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Kaarst tatsächlich kaum hat.

Auch deshalb wird Heinz-Josef Maaßen am 30. April, wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag, in den Ruhestand gehen. Viele seiner Kunden — immerhin mehr als 10 000 in der 42 000-Einwohner-Stadt Kaarst — werden ihn vermissen. Auf die Eigenständigkeit der einzig verbliebenen rechtlich selbstständigen Bank in der Stadt hat der Abschied indes keinen Einfluss. Mit Horst Lammers, bislang Leiter des Firmenkundengeschäfts, ist der Nachfolger bereits auserkoren. Fusionspläne gibt es bei der Raiffeisenbank nicht. Für Heinz-Josef Maaßen kam das auch nicht ernsthaft in Frage. "Diese Bank ist kerngesund", sagt er. "Und die Selbstständigkeit war uns immer wichtig."

Umso schwerer fällt der Abschied. "Der Ruhestand ist eine Entscheidung, die ich mir nicht leicht gemacht habe, weil ich nach wie vor jeden Tag gerne zur Arbeit gehe", sagt der 59-Jährige. Auf der anderen Seite ist der Schritt gut überlegt. Der Maaßen-Familienrat hat getagt und beschlossen, dass jetzt, mit 60, der richtige Zeitpunkt, ist, um das Leben noch einmal neu auszurichten. Heinz-Josef Maaßen hat zwei erwachsene Kinder. "Von ihrem Großwerden", sagt er, "habe ich damals kaum etwas mitgekriegt". Bei seinem wenige Monaten alten Enkelkind will der Bankdirektor das jetzt anders machen.

Fast 40 Jahre lang war Maaßen im genossenschaftlichen Bankbereich tätig, davon 23 Jahre lang für die Raiffeisenbank Kaarst. Gradmesser seines Erfolges als Leiter ist auch die Bilanzsumme, die von rund 55 Millionen Euro um Jahr 1990 auf mittlerweile rund 120 Millionen Euro angewachsen ist. Als einige Mitbewerber ihre Zweigstellen im Stadtgebiet schlossen, setzte er durch, dass die vier Raiffeisenbank-Filialen erhalten blieben. Und auch die Öffnung der Bank an Samstagen hat sich bezahlt gemacht. "Wir waren im wahrsten Sinne des Wortes immer nah dran an den Kunden", sagt der Direktor, der in 18 Tagen in den Ruhestand geht. Das soll auch so bleiben — bloß ohne ihn.

(NGZ/rl)