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Kaarst: Putzfee seit vier Jahrzehnten

Kaarst : Putzfee seit vier Jahrzehnten

Ohne Borka Novakovic würde es an der Grundschule Alte Heerstraße in Kaarst deutlich unordentlicher aussehen – sie ist seit 40 Jahren Reinemachfrau an der Grundschule. Ein Arbeitsplatzbesuch zum heutigen Weltputzfrauentag.

Ohne Borka Novakovic würde es an der Grundschule Alte Heerstraße in Kaarst deutlich unordentlicher aussehen — sie ist seit 40 Jahren Reinemachfrau an der Grundschule. Ein Arbeitsplatzbesuch zum heutigen Weltputzfrauentag.

Borka Novakovic hat eine ganz feste Regel: niemals nach Hause gehen, wenn nicht die gesamte Arbeit erledigt ist. Novakovic putzt seit vier Jahrzehnten in der Grundschule Alte Heerstraße in Kaarst, und es würde ihr im Traum nicht einfallen, Feierabend zu machen, wenn der Flur, für den sie zuständig ist, nur halb gewischt ist. "Hier wird nichts halb gemacht, das wird durchgezogen", sagt sie. Ordnung muss schließlich sein.

Novakovic war 20 Jahre alt, als sie aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland und Kaarst kam. Sie sprach damals kein Wort Deutsch, musste sich von ihrer Vorgängerin in der Schule mit Händen und Füßen zeigen lassen, was geputzt werden muss, wie die Bohnermaschine funktioniert, wo es warmes Wasser gibt. "Der erste Tag war schon schwer", sagt sie.

Einen Deutschkursus hat Borka Novakovic nie besucht — und doch funktionierte es irgendwann mit der Verständigung. Auch die Grundschüler haben ihr dabei geholfen: "Die sind oft zu mir gekommen und haben mit mir erzählt", sagt Novakovic. Sie wiederum ermahnt die Schüler, sich in der Schule anzustrengen und danach auf jeden Fall etwas "Richtiges" zu lernen: "Mir macht dieser Job wirklich Spaß, aber er ist körperlich schon sehr anstrengend."

Gegen 13 Uhr, wenn der Unterricht für die Grundschüler vorbei ist, kommt Borka Novakovic an ihren Arbeitsplatz. Sie legt dann all die Sachen zurecht, die sie braucht, um die Klassen, die Verwaltung, Aula und Toiletten zu putzen.

Novakovic geht immer nach dem gleichen Muster vor: Erst putzt sie die oberen Etagen, dann arbeitet sie sich bis zum Erdgeschoss vor. Für jede Oberfläche benutzt sie einen anderen Eimer, anderen Reiniger, einen anderen Lappen — PVC darf man nie mit dem gleichen Putzzeug säubern wie Steinboden, Tische niemals mit dem Lappen abwischen, der vorher schon an den Toiletten war. "Dann hat man umsonst gearbeitet", sagt Novakovic entschieden. Und das wäre unökonomisch.

Probleme mit Vorurteilen gegenüber ihres Berufs hat Borka Novakovic nie gehabt. Die Kinder, sagt sie, seien zu ihr nie frech gewesen, hätten sie nie als "Putze" beschimpft. Novakovic gehört schließlich zur Schule wie Lehrer, Schulleiter oder Hausmeister. In zwei Jahren allerdings ist Schluss für Borka Novakovic, dann geht sie in Altersteilzeit.

Einerseits freut sie sich auf die freie Zeit und darauf, nicht mehr so hart körperlich arbeiten zu müssen — andererseits wird sie traurig sein, das weiß Novakovic schon jetzt. "Klar wird mir das fehlen; die Schule ist mein zweites Zuhause, ich kenne hier jede Ecke."

Das Gute: Novakovics erstes Zuhause liegt nur ein paar Gehminuten von der Grundschule entfernt. Wenn die Sehnsucht zu groß wird, kann sie einfach schnell rübergehen.

(NGZ)