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Kaarst: Projekt "SingPause": Politik zeigt Interesse

Kaarst : Projekt "SingPause": Politik zeigt Interesse

Weil die Stadt von einem Antrag auf Prüfung und Förderung zunächst nichts wissen wollte, hat die Matthias-Claudius-Schule die Fraktionen im Stadtrat angeschrieben. Nicht nur die, sondern auch der Bürgermeister haben jetzt reagiert.

Wenn Cordula Berner die Südstadt-Schule St. Josef in Grevenbroich besucht, dann zieht sie die Erstklässler in ihren Bann: Die ausgebildete Sopranistin und Gesangslehrerin begleitet die Jungen und Mädchen beim Projekt "SingPause". Bei den Kindern die Freude am Singen zu wecken, ihnen ohne Notenschrift Noten beizubringen — das gehört zu Berners Aufgaben. "Wir sind sehr glücklich, dass dieses Projekt jetzt an unserer Schule gestartet ist", sagt Marita Pick-Hildebrandt, Leiterin der katholischen Grundschule. Ihr Eindruck: "Die Kinder sind begeistert von den 20 Minuten und können danach viel besser dem Unterricht folgen." Leider gehöre Singen zu den vernachlässigten Tätigkeiten: "Man legt heute eher eine CD ein, summt höchstens mal mit. Dabei fördert der Gesang die Konzentrationsfähigkeit", sagt die Schulleiterin.

Die St.-Josef-Schule wird — neben der Erich-Kästner-Schule — vom Rotary Club Grevenbroich gefördert. Dessen Mitglieder haben für zwei Schuljahre die Finanzierung der "SingPause" übernommen. Liebend gerne würde auch Miriam Eckel, stellvertretende Leiterin der Kaarster Matthias-Claudius-Grundschule, die "SingPause" in Kaarst etablieren."Das Projekt passt gut zu unserem Konzept des miteinander und voneinander Lernens", sagt sie.

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"Singen macht klug, selbstbewusst und sorgt für ein gutes Sprachgefühl. Vor allem für Schüler mit Migrationshintergrund wäre das ein Gewinn." Deren Anteil liegt an der Matthias-Claudius-Schule bei rund 40 Prozent. Die "SingPause" könnte Integrationshelfer sein. Problematisch ist in Kaarst derzeit allerdings die Finanzierung. 10 000 bis 12 000 Euro würde das Projekt an der Matthias-Claudius-Schule für ein Jahr kosten. Das haben die Schulpflegschaftsvorsitzende Camilla Altvater und Ruth Braun-Sauerwein, Leiterin der Kreisjugendmusikschule, ausgerechnet. Bislang hat die Stadt die Schule lediglich an die Stadtwerke Kaarst und die Sparkassen-Stiftung Kaarst-Büttgen als mögliche Sponsoren verwiesen.

Im Oktober hieß es sogar, das Thema "SingPause" sei der Verwaltung gänzlich unbekannt. Camilla Altvater hat das wütend gemacht. Deshalb hat sie jetzt auch die Fraktionen im Stadtrat angeschrieben. "Aus der Zeitung haben wir erfahren, dass Kaarst den größten Jugendetat in der Geschichte vorstellt", sagt sie. "Ich erwarte nicht, dass die Stadt das Füllhorn ausschüttet. Aber bei einem Etat von 15,4 Millionen Euro verstehen wir nicht, warum das Projekt bisher weder geprüft noch eine Förderung zugesagt wurde." Obwohl der erste Antrag unbeschieden geblieben sei, habe die Schule ihn vorsichtshalber erneut gestellt. "Mittlerweile hat sich der Bürgermeister gemeldet und zugesagt, er kümmere sich", sagt Altvater. Und auch in der Politik scheint das Thema jetzt angekommen zu sein.

"Wir halten das Projekt für gut und werden es bei uns zum Thema machen", sagt FDP-Fraktionschef Jörg Löhler. Die Sache sei am Donnerstag in der Fraktionsvorsitzendenrunde mit dem Bürgermeister besprochen worden, bestätigt auch Grünen-Chef Christian Gaumitz. "Wir werden eine kurzfristige Finanzierungslösung finden — da sind sich alle einig, auch die Stadt."

(NGZ)