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Kaarst: Präzisionsarbeit auf der Kirchturmspitze

Kaarst : Präzisionsarbeit auf der Kirchturmspitze

Dachdecker bereiten die Installation des sanierten Turmkreuzes der denkmalgeschützten Kirche St. Aldegundis vor.

Der derzeit wahrscheinlich gefährlichste Job in ganz Büttgen ist gleichzeitig auch der mit der tollsten Aussicht. Passanten bleiben stehen, legen den Kopf in den Nacken und die Hand über die Augen, um blinzelnd nach oben, zur Turmspitze von St. Aldegundis zu sehen. Dorthin, wo Dachdeckermeister Ralf Krings und sein Team in schwindelerregenden 50 bis 60 Metern Höhe routiniert ihre Arbeit tun.

Absolut schwindelfrei müssen die Dachdecker schon sein. Foto: Berns, Lothar (lber)

Die Dachdeckerei Krings aus Baesweiler – ein Familienunternehmen in mittlerweile fünfter Generation – konzentriert sich seit 1856 auf die Instandsetzung von Sakralbauten und historischen Gebäuden. In Büttgen bereitet sie derzeit die Spitze der denkmalgeschützten Kirche auf die Installation des sanierten Turmkreuzes samt Hahn und Kugel vor.

Seit Fachleute im Oktober 2011 bei der Reparatur eines Sturmschadens feststellen mussten, dass das alte Turmkreuz durchrostet, instabil, und damit ein Sicherheitsrisiko ist, wartet die Gemeinde auf die Rekonstruktion der "Büttgener Skyline". Die Denkmalbehörde, das Erzbischöflichen Generalvikariat und der Kirchenvorstand mussten für die Reparatur um Erlaubnis gebeten werden, das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland arbeitete schließlich einen Sanierungsvorschlag aus. Das alte Kreuz wurde wetterfest verzinkt und beschichtet. Jetzt muss es nur noch installiert werden. Auch diese Arbeiten übernimmt die Dachdeckerei Krings.

Mit einem Kran werden Kreuz, Hahn und Kugel auf die Spitze des aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kirchturms gesetzt. "Dafür", sagt Ralf Krings, "sollte es aber möglichst windstill sein." Von der Wetterlage und der Verfügbarkeit des Krans hängt nunmehr der weitere Ablauf der Arbeiten ab. Auch das Brunnenfest mit einem Konzert der Kölner Kult-Band "De Räuber", das am Donnerstag auf dem Rathausplatz stattfindet, müssen die Dachdecker erst noch abwarten. "Die Vorbereitungen", sagt Krings, "sind aber weitestgehend getan."

Die Männer arbeiten auf einer schmalen Rundum-Plattform knapp unterhalb der Turmspitze, die sie über eine Tür im Kirchturm betreten. Ihr Leben hängt an einem Sicherheitsgurt. Um die neue, zweiteilige Stahlbandkonstruktion, die das Turmkreuz künftig halten soll, befestigen zu können, mussten zunächst einige der schweren Schieferdachplatten entfernt und neu angebracht werden. Da ist Können und Erfahrung gefragt, schließlich sind die Ergebnisse weithin sichtbar. Ralf Krings macht seinen Job seit mehr als 30 Jahren, die Arbeit an einem Kirchturm ist eine Herausforderung. Das Material soll kulturhistorisch zum Gebäude passen und technische Anforderungen erfüllen, die zum Zeitpunkt der Erbauung noch unbekannt waren. "Eine schöne schlanke Turmspitze", sagt er. "Das ist unser Ziel."

(NGZ)