Kaarst: Polizeiaktion nach tödlichem Unfall

Kaarst : Polizeiaktion nach tödlichem Unfall

Am 11. Juni starb ein Kradfahrer bei einem Verkehrsunfall auf der L 390, am 18. Juni verletzte sich ein weiterer lebensgefährlich. Die Polizei nahm die Vorfälle gestern Nachmittag zum Anlass, Motorradfahrer erstmals direkt am Straßenrand über Verkehrssicherheit aufzuklären.

Zwei schwere Motorradunfälle auf der L 390 an nahezu derselben Stelle haben vor wenigen Wochen für Gesprächsstoff gesorgt. Am 11. Juni starb ein Kradfahrer noch an der Unfallstelle, am 18. Juni verletzte sich ein weiterer lebensgefährlich. Die Polizei nahm die Vorfälle zum Anlass, gestern Nachmittag erstmals eine Aktion zur Motorradsicherheit direkt am Straßenrand durchzuführen.

Foto: Polizei

Als Ersten winkten die Beamten einen Rollerfahrer zur Aufklärung heraus. Johann Affeld erschrak mit dem Glauben, zu schnell gefahren zu sein. Doch die Polizisten fragten nicht nach seinen Papieren, sondern zeigten dem 52-Jährigen auf einem Monitor eine kleine Bilderpräsentation.

Er sah zunächst ein Foto von der nahe gelegenen Einmündung beim China-Restaurant an der Neersener Straße, auf dem nächsten Bild einen Rettungshubschrauber, im Hintergrund einen verunfallten Pkw und ein zerstörtes Motorrad. "Gerade solche realen Fälle beeindrucken die Fahrer", sagte Polizeihauptkommissar Gereon Hogenkamp.

Johann Affeld ist nicht nur auf dem Roller unterwegs, seit 25 Jahren fährt er auch schwerere Maschinen. "Toi, toi, toi, bisher ist mir nichts passiert", sagte er. Wenn er von einem Unfall höre, vermute er immer zu hohe Geschwindigkeit der Motorradfahrer. Aber auch beim Einhalten der Geschwindigkeit kommt es oft zu Zusammenstößen mit abbiegenden Fahrzeugen.

"Bei mehr als einem Drittel von Pkw verursachten Unfällen haben die Autofahrer das Motorrad nicht gesehen", so Gereon Hogenkamp. Was nur als kleiner Punkt am Horizont erscheint, legt bei einem Tempo von 100 km/h in nur drei Sekunden über 80 Meter zurück. Das Hell-Dunkel-Feld auf der Straße, dunkle Schatten der Bäume auf hellem Asphalt, lässt Zweiräder nur schwer erkennen. "Wir raten allen Kradfahrern, eine Signalweste zu tragen und auch Signalfarbe auf dem Helm. Außerdem sollten sie bei nahenden Kreuzungsbereichen die Geschwindigkeit immer drosseln", so Hogenkamp.

Die Bilderpräsentation zeigte nicht die Vorkommnisse aus dem Juni dieses Jahres, der Unfall ereignete sich 2005 — allerdings an gleicher Stelle. Damals kam es sogar erst zum Zusammenstoß, nachdem das Auto bereits auf die Straße eingebogen war, allerdings noch einige Sekunden brauchte, um Fahrt aufzunehmen. Der Motorradfahrer — in diesem Fall mit 130 km/h auch deutlich zu schnell — krachte dem Pkw in den Kofferraum. Motorradfahrer Andreas Maas kennt solche Situationen nur allzu gut. "Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr habe ich solche Unfälle selbst bereits gesehen. Deshalb fahre ich auch vernünftig. Allerdings sind es vor allem die jungen Leute, die oft gefährlich fahren", meinte der 43-Jährige. Passend zu seiner neongrünen Kawasaki Ninja trägt Maas normalerweise auch eine grüne Lederkluft. Bis zu 280 km/h schaffe seine Maschine. Austesten werde er es nie, sagte er.

(stef)