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Kaarst: Pläne für klassisches Pflegeheim gescheitert

Kaarst : Pläne für klassisches Pflegeheim gescheitert

Stadt und Projektentwickler "Consens" setzten jetzt auf die Planung "neuer Wohnformen" – als Alternative zur Heimunterbringung.

Stadt und Projektentwickler "Consens" setzten jetzt auf die Planung "neuer Wohnformen" — als Alternative zur Heimunterbringung.

"Consens" ist auf die Realisierung von Pflege- und Wohneinrichtungen für Senioren spezialisiert. Foto: CONSENS Gesellschaft für Projektentwicklung mbH

Weil die Investitionskosten für den vollstationären Pflegebereich eines künftigen neuen "Pflegezentrums" anders als ursprünglich angenommen berechnet würden, bekommt der Kaarster Westen nun offenbar doch keine herkömmliche Pflegeeinrichtung. Die Stadt und der Projektentwickler "Consens" aus Geldern setzten derzeit auf die Planung "neuer Wohnformen" als Alternative zur Heimunterbringung. Dabei wollte es ein Großteil der Kaarster Politik — allen voran die CDU — doch eigentlich am liebsten klassisch haben:

Ein Haus mit maximal 80 stationären Pflegeplätzen, darunter dauerhafte Kurzzeit- und mindestens zwölf Tages- oder Nachtpflegeplätze, ein bewohnerorientiertes Wohngruppenkonzept, ergänzend barrierefreie Wohnungen in direkter Nachbarschaft sowie ein öffentliches Café oder Restaurant — so sah das Anforderungsprofil aus, das von der Sozialverwaltung, den sozialpolitischen Sprechern der Fraktionen und der Sport-, Senioren-, Demografie- und Sozialausschussvorsitzenden Dorothea Zillmer im vergangenen Jahr festgezurrt wurde. Ende 2012 hatte die Verwaltung ein Bieterverfahren eröffnet, bis Ende Januar konnten Investoren ihr Gebot abgeben. Von den ursprünglich sechs Interessenten gab am Ende nur "Consens" ein Angebot ab. Das Unternehmen ist auf die Realisierung von Pflege- und Wohneinrichtungen für Senioren spezialisiert und hat bereits das Kaarster Johanniter-Stift geplant.

Eine "Überraschung" gab es nun offenbar beim Thema Refinanzierung der geplanten vollstationären Dauerpflegeplätze. Die Investitionskosten werden nämlich vom Landschaftsverband festgelegt. Einrichtungen, die vor dem 30. Juni 2008 einen Antrag auf Abstimmung beim Rhein-Kreis Neuss gestellt haben, können ihre Kosten über 25 Jahre abschreiben. Bei Projekten, für die der Antrag danach gestellt wurde, beträgt die Abschreibung 50 Jahre. Das heißt: Einrichtungen, die nach "altem Recht" gebaut wurden, haben anerkennungsfähige Investitionskosten von rund 23 Euro pro Tag und Platz, Einrichtungen, die nach "neuem Recht" entstehen, von nur rund 17 Euro.

In einem Schreiben an die Stadt teilte "Consens"-Geschäftsführer Gerd Janssen mit, dass er ursprünglich von einer Refinanzierung nach "altem Recht" ausgegangen sei. Auch ein Gespräch zwischen Bürgermeister Franz-Josef Moormann und dem Ersten Beigeordneten Heinz Dieter Vogt bei Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und Kreis-Sozialdezernent Jürgen Steinmetz brachte keine Änderung der Sachlage. Vom "Projekt Kaarst-West" abrücken möchte "Consens" aber trotzdem nicht. "Der Bedarf ist da", sagt Janssen und beruft sich in Bezug auf die Umplanungen auf die in Ausarbeitung befindliche Novellierung des Landespflegerechtes und des Wohn- und Teilhabegesetzes. Dieses fördert anstelle von Neubauten stationärer Pflegeplätze eher neue Wohnformen, insbesondere ambulant betreute Wohngemeinschaften. "An der äußeren Gestaltung des Baukörpers wird sich aber nichts ändern", sagt Janssen. Dass Kaarst nun doch keine klassische Pflegeeinrichtung bekommt, hält Jürgen Steinmetz, der von Beginn an vor kreisweiten Überkapazitäten warnt, "für richtig". "Ich hoffe, dass jetzt alle die alternativen Wohnformen stärker ins Visier nehmen", sagt er.

(NGZ/ac)