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Kaarst: Piraten wollen in den Kaarster Stadtrat

Kaarst : Piraten wollen in den Kaarster Stadtrat

Die Piratenpartei verzichtet auf die üblichen Verbandsstrukturen. Außer auf Bundes- und Landesebene mit gewählten Vorständen organisieren sie sich sonst über Stammtische und Arbeitskreise.

Auf eine Mitgliedschaft wird nicht Wert gelegt, jeder interessierte Bürger kann ohne Parteibuch überall mitarbeiten. Montagabend traf sich zum ersten Mal ein Kaarster Stammtisch.

Zurzeit gibt es zwei aktive Kaarster: Markus Wetzler (39 Jahre, Parteimitglied) und Matthias Wehling (59, kein Mitglied). Rund 20 Personen folgten der Einladung. Matthias Wehling war zum einen von der hohen Besucherzahl überrascht, aber auch vom hohen Altersschnitt, denn ein Gros war älter als 60 Jahre. Bei den Piraten ist man vom ersten Moment an per Du. Bei einer Vorstellungsrunde konnte jeder Gast seine Erwartungen an den Abend äußern.

"Ich denke, die Piraten haben großes Potenzial, etwas zu verändern. Ich möchte wissen, was sie wollen und wofür sie stehen", sagte Marcel Finger, der sich wie zwei weitere Gäste in der Elterninitiative Stakerseite engagierte. Ein anderer Teilnehmer suchte eine Alternative zu den etablierten Parteien, denn er wisse nicht, was er demnächst wählen solle. Neugier an sich, Interesse am Parteiprogramm und die wichtige Frage, ob es den Piraten gelingen werde, ihre Versprechen zu halten, bewegten die Besucher. Sie wollten Ziele hören, um zu wissen, ob sie sich mit der jungen Partei identifizieren können. Eine lebhafte Diskussion entwickelte sich.

Die Piraten stehen für mehr Privatsphäre, freie Bildung, einen transparenten Staat und mehr Basisdemokratie, doch auf Kaarst zugeschnittene Themen liegen bisher nicht vor. "Wir sind das Sprachrohr der Bürger. Ohne ihre Themen haben wir kein Programm. Meine einzige Aufgabe im Stadtrat wäre, dort die Interessen der Bürger einzubringen", sagte Markus Wetzler. "Wir haben kein Grundsatzprogramm als Verkaufsleitfaden. Wir geben keine Ziele und Meinungen vor", so Parteimitglied Oliver Laubmayer, der es bereits in der SPD und bei den Linken versucht hatte.

Funktionieren soll die Basisdemokratie via Internet mit einem offenen E-Mailverteiler. "Innerhalb von ein, zwei Tagen können wir darüber ein Meinungsbild abrufen. Dazu werden wir dann noch Experten hinzuziehen", erklärte Lukas Lamla, Sprecher der Piraten in Neuss. Die Forderung der Stammtischbesucher auf der anderen Seite ist nicht neu: Sie wollten ein Programm, das durchsetzbar und finanzierbar sei und ein hohes Maß an Ehrlichkeit.

(NGZ/rl)