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Kaarst: PCB: Grundschule Vorst wird saniert

Kaarst : PCB: Grundschule Vorst wird saniert

Seit 1999 ist der Stadt eine Belastung des Gebäudes mit dem Giftstoff bekannt. Geschehen ist nichts. Auf Anfrage der Grünen wurde jetzt erneut gemessen.

Es gibt eine gute Nachricht und diese vorab: Eine akute Gesundheitsgefahr müssen die 144 Schüler, Eltern und Lehrer der Grundschule Vorst derzeit nicht fürchten, auch, wenn das angsteinflößende Wort "Gift" im Raume steht. Zwar wurde im Schulgebäude am Antoniusplatz erneut PCB nachgewiesen, eine Notwendigkeit, die Schule womöglich vorübergehend zu schließen, besteht aber nicht.

Die schlechte Nachricht ist: Eine Sanierung hätte schon längst stattfinden können oder — stattfinden müssen. Weil 13 Jahre alte Messergebnisse bei der Stadt "aus den Augen verloren" wurden, ist die Sorge um die Sorge der Eltern und Kinder jetzt groß.

PCB (Polychlorid Biphenyle) ist ein hochgiftiger Chlorcocktail, der vor allem in den 1960er und 1970er Jahren zum Bauen verwendet wurde. Häufig steckt es in Fensterfugen. Der Altbau der Grundschule Vorst stammt aus den 1960er Jahren, der Anbau aus den 80ern. 1999 hat die Stadt alle Schulgebäude in Kaarst auf eine PCB-Belastung hin untersucht. In der Holzbüttgener Astrid-Lindgren-Schule stellten die Experten damals eine deutliche Grenzwertüberschreitung fest, die zu einer unmittelbaren Sanierung führten.

Eine Messung im Gebäude der Grundschule Vorst ergab Werte zwischen 303 und 730 Nanogramm pro Kubikmeter, im Flurbereich sogar 1045.

Laut der PCB-Richtlinie des Landes Nordrhein-Westfalen sind Messwerte bis zu 300 Nanogramm pro Kubikmeter quasi ungefährlich und somit auch langfristig tolerabel. Bei Werten zwischen 300 und 3000 — wie in Vorst — können die betroffenen Räume zunächst zwar weitergenutzt, müssen aber mittelfristig "gesäubert" werden. Bei Werten über 3000 Nanogramm pro Kubikmeter dagegen steht aus Sicherheitsgründen eine sofortige Sanierung an.

In der Neusser Dreikönigenschule gab es vor kurzem so einen Fall. Auch deshalb wurde auf eine Anfrage der Grünen hin im Oktober in Vorst an zwei Stellen noch einmal gemessen. Beide Kontrollen ergaben einen Wert im 500er-Bereich. Im Flur lag die Belastung bei circa 800. Mit einer Probesanierung soll jetzt nach der Quelle gesucht werden.

Heinz-Gerhard Klein und Ralf Schumacher vom städtischen Bereich Gebäudewirtschaft erklären das so: Erst werden an verschiedenen Stellen Bauteilproben entnommen und untersucht. Das Ergebnis soll bis Ende November vorliegen. Je nachdem, was die Proben ergeben, wird noch vor Weihnachten zunächst nur ein Raum saniert. Sind die Werte danach in Ordnung, wird weitergearbeitet, sind sie nicht in Ordnung, wird weitergesucht.

Warum der "Sanierungsauftrag" aus dem Jahr 1999 bei der Verwaltung in Vergessenheit geriet, kann indes niemand recht aufklären. Möglicherweise, heißt es, sei die Panne in Zusammenhang mit der Auflösung des damals zuständigen Umweltamtes passiert.

(NGZ/rl)