Fall Daniel D. aus Kaarst: Opfer leblos am Boden - Zeugen fahren vorbei

Fall Daniel D. aus Kaarst : Opfer leblos am Boden - Zeugen fahren vorbei

Am Landgericht Düsseldorf ist am Freitag der Prozess um das Tötungsdelikt an der L381 bei Büttgen fortgesetzt worden.

Wahrscheinlich kamen sie nur wenige Augenblicke zu spät, sonst wären sie Zeugen eines Gewaltverbrechens geworden. Aber wie hätten der 50 Jahre alte Industriekaufmann aus Büttgen, seine Lebensgefährtin und deren 85 Jahre alte Mutter an jenem Abend des 11. Dezembers 2013 auch ahnen sollen, dass die Person, die ihnen da im Scheinwerferlicht ihres Wagens auf der K 37 entgegen kam, womöglich gerade einen Menschen erschlagen hat.

Am Düsseldorfer Landgericht ist am Freitag nach zweiwöchiger Pause der Prozess um das Tötungsdelikt an der L 381 bei Büttgen fortgesetzt worden. Auf der Anklagebank sitzt ein 28 Jahre alter Sportlehrer aus Korschenbroich - der Cousin des Getöteten, eines 35 Jahre alten Versicherungskaufmanns, der in Dormagen wohnte und in Korschenbroich aufwuchs, gemeinsam mit dem Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen, in dessen Auto Blutspuren vom Opfer gefunden wurden, Totschlag vor. Weder der Tathergang, noch das Motiv noch die Tatwaffe konnten bislang zweifelsfrei ermittelt werden. Der Angeklagte schweigt dazu.

Richter Rainer Drees vernahm am Freitag erneut eine Reihe von Zeugen, die in der Tatnacht Beobachtungen an der Landstraße gemacht hatten. "Wir kamen von einer Geburtstagsfeier in Korschenbroich", berichtete der 50 Jahre alte Büttgener im Zeugenstand. Gegen 22.10 Uhr sei er mit seinem Auto von der L381 nach links in die K37 eingebogen. "Da haben wir eine Person stehen sehen, die in Richtung Kreuzung gewandt war und ein Handy in der Hand hatte. Ich hab das Licht vom Telefon wahrgenommen." Im Kegel des Scheinwerfers, sagte der Zeuge, seien lediglich Hose und Jacke der Person zu erkennen gewesen, nicht das Gesicht. "Ich bin mir aber sicher, dass es ein Mann war, wegen des sportlichen Körperbaus. Er trug eine dunkle Hose und eine braune Jacke mit Karo- oder Streifenmuster." Dann, erzählt der Industriekaufmann, sei ihm das Auto des Getöteten, das etwa 25 Meter weiter am Rand der K37 stand, aufgefallen. "Ich hab gesehen, dass da eine Person neben dem Wagen lag, leblos, mit dem Kopf nach unten im Gras. Beim Weiterfahren hab ich sofort gesagt: ,Der ist tot!'" Trotzdem rief das Paar nicht die Polizei. "Wir haben die Mutter meiner Freundin nach Hause gefahren. Dann hörten wir auch schon Polizeisirenen. Da haben wir uns gedacht, dass schon jemand Hilfe geholt hat."

Es bleibt die Frage: Was geschah am 11. Dezember? Ein 27 Jahre alter Maurer und eine 45 Jahre alte Psychiaterin, beide aus Kaarst, die den Tatort kurz vor der Tat aus unterschiedlichen Richtungen passierten, berichteten vor Gericht übereinstimmend von zwei Männern, die am Auto standen und mit einer oder zwei Taschenlampen in die Böschung neben dem Auto leuchtetem. "Für mich sah es so aus, als ob sie etwas suchten", sagte die Zeugin. "Beide wirkten auf mich unaufgeregt." Am Auto, das steht im Polizeibericht, fanden die Ermittler später eine eingeschaltete, etwa zehn Zentimeter große Taschenlampe. Als Tatwaffe scheidet diese aus.

(NGZ)
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