1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: "Nordkanal - genug geredet!"

Kaarst : "Nordkanal - genug geredet!"

Die NGZ sprach mit Franjo Rademacher, neues Mitglied im Verbandsausschuss des Wasser- und Bodenverbands Nordkanal, über den Umgang mit dem für Kaarst so wichtigen Gewässer.

Heute kommt der Verbandsausschuss des Wasser- und Bodenverbands Nordkanal erstmals in neuer Besetzung zusammen. In der nichtöffentlichen Sitzung wird es unter anderem um ein Schreiben des kommunalen Versicherungsverbandes GVV gehen, in dem die Schlammschicht im Nordkanal als gefährlich eingestuft wird. Über den Umgang der Verantwortlichen mit dem Thema "Nordkanal" an sich sprach die NGZ mit Franjo Rademacher, neues Mitglied im Verbandsausschuss, Vorsitzender des Förderkreises Holzbüttgen und des CDU-Ortsverbandes Büttgen.

Herr Rademacher, Sie stehen in Ihrer Doppelrolle als Förderkreis- und CDU-Ortsverbandsvorsitzender in besonderer Verantwortung den Bürgern gegenüber. Wie gelingt dieser Spagat?

Rademacher Durch Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit, Überzeugungskraft und Klartext. Wenn es gelingt, deutlich zu machen, dass es wirklich lohnt, sich bürgerschaftlich und politisch zu engagieren, ist sehr viel erreicht. Mitmachen und Schulterschluss sind wichtig.

Gibt es da keine Zielkonflikte?

Rademacher Nein. Für mich gibt es nur ein Ziel: In beiden Funktionen geht es wesentlich darum, Sprachrohr für die Interessen und Anliegen der Bürger zu sein, die Probleme und Anregungen aufzunehmen, zu bündeln, zu formulieren und sie zu transportieren.

Und — reicht das?

Rademacher Nein. Verwaltung und Politik müssen davon überzeugt werden, den Bürgerwillen anzuerkennen, sich mit diesem ernsthaft auseinander- und ihn schließlich auch umzusetzen. Dabei geht es oft um richtige Balance zwischen berechtigten Einzel- oder Gruppeninteressen und dem Gemeinwohl, zwischen Wünschenswertem und Machbaren. Bei großen Themen sind besonders Durchsetzungsvermögen und langer Atem gefragt.

Wie zum Beispiel beim Thema Nordkanal?

Rademacher Ja, das ist ein Thema, bei dem längst alle Fakten auf dem Tisch liegen. Die Politik ist inzwischen erkennbar aufgeschlossen, endlich Lösungen zu finden, aber noch fehlt der Antrieb. Ich denke, mehr als zehn Jahre Diskussion, mehr als 500 Zeitungsartikel, jede Menge Gutachten und unterm Strich viel Gerede um den heißen Brei sind genug. Jetzt ist Handeln das Gebot der Stunde.

Wo hakt es denn ihrer Meinung nach?

Rademacher Auch wenn es mir schwer fällt, das so zu sagen: Bürgermeister und Nordkanalverbandsvorsteher Franz-Josef Moormann und seine Verbandstruppen wollen offenbar keine Lösung. Jeder Ansatz wird abgewiegelt, Verantwortung weitergeschoben. Da ist rigoroses Umdenken nötig.

Inwiefern?

Rademacher Vor sieben Monaten bin ich selbst in den völlig verschlammten Nordkanal gestiegen und bis zur Brust eingesunken — ohne Chance, aus eigener Kraft wieder herauszukommen. Nur mit fremder Hilfe ist es gelungen. Nicht auszudenken, was bei dem Autounfall vor wenigen Wochen noch hätte passieren können, wenn nicht Unfallzeugen den auf dem Dach in den Nordkanal gerutschten Pkw vor Eintreffen der Feuerwehr stabilisiert hätten.

Ist denn in Sachen Verkehrssicherung bis heute irgendetwas geschehen?

Rademacher Nichts erkennbar Konkretes, außer, dass der Bürgermeister die Verantwortung von sich schiebt und intensiv nach Zuständigen für die Verkehrssicherungspflicht außerhalb des eigenen Verantwortungsbereiches sucht. All dem setzt er noch die Krone auf, indem er sagt, dass der Nordkanal seiner Ansicht nach ein fließendes Gewässer ist, in dem "Untiefen" nicht auszuschließen sind. Ich lade den Bürgermeister ein, mit mir in den Nordkanal zu steigen und die Probe aufs Exempel zu machen. Danach denkt er anders.

Was soll jetzt geschehen?

Rademacher Erstens: Die Böschungen werden gesäubert. Das ist vor dem Nordkanalfest auf mehr als 100 Metern bereits hervorragend gelungen. Zweitens: Das Bett des Nordkanals wird schrittweise entschlammt. Das ist und bleibt langfristig die einzig sinnvolle und kostengünstigste Lösung. Drittens: Der Nordkanalverband ändert unter anderem seine Satzung. Die Öffentliche Hand finanziert die Entschlammung vor und legt die Kosten auf alle Bürger um, weil der Nordkanal allen Bürgern mittelbar oder unmittelbar zugutekommt.

Julia Hagenacker führte das Gespräch.

(NGZ)