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Kaarst: Nonnen erholen sich in Neuss

Kaarst : Nonnen erholen sich in Neuss

Beatrice Nzinahora und Yolande Ntibishimirwa, die schwer verletzten Ordensschwestern aus Burundi, die seit August in Neuss sind, sind auf dem Weg der Besserung. In Kloster Immaculata haben sie Deutschunterricht.

Ihren Lebensmut, ihren Optimismus und ihren Glauben an das Gute im Menschen haben sie nicht verloren. Und das, obwohl sie allen Grund dazu hätten. Beatrice Nzinahora und Yolande Ntibishimirwa, die beiden Schwestern, die in Gihanga, einer Stadt im ostafrikanischen Staat Burundi, das 1966 von Neusser Augustinerinnen gegründete Hospital Sankt Augustinus, leiten, sind auf dem Weg der Besserung.

Im August des vergangenen Jahres waren sie in ihrer Heimat von Rebellen in Polizeiuniform überfallen und niedergeschossen worden. Lebensgefährlich verletzt schafften sie es, per Handy Hilfe zu rufen, dennoch überzeugt, dass für sie selbst jede Hilfe zu spät kommen würde.

"Wir werden in ein paar Minuten sterben", hatte Schwester Beatrice ins Handy gehaucht und war in Gedanken bei denen, die ihnen das angetan hatten. Doch nicht voller Hass, sondern voller Mitgefühl, wie sie leise berichtet. Leise und vorsichtig, denn das Sprechen fällt der 42-Jährigen noch immer schwer. Sie hat Schmerzen. 13 Operationen in der Düsseldorfer Uniklinik hat sie bis jetzt hinter sich. Weitere stehen an.

Im August des vergangenen Jahres waren die beiden Schwestern nach Deutschland geflogen worden (die NGZ berichtete). Die notwendige medizinische Versorgung wäre in Gihanga nicht möglich gewesen.

Auch Spenden des Burundi-Komitees unter Vorsitz von Anneliese Dorsemagen und der Neusser Schützengilde hatten diese Hilfsaktion unterstützt. Voraussichtlich noch bis zum Sommer werden die Schwestern in Neuss bleiben. Zwischen den Krankenhausaufenthalten finden sie Ruhe bei ihren Mitschwestern im Kloster Immaculata. Schwester Yolande hat bei dem Überfall ein Auge verloren, ihr Kiefer wurde vollkommen zerschmettert. Bis jetzt wurde die 36-Jährige acht Mal operiert.

So leben wie vor dem Anschlag werden die beiden nie mehr. Schwester Beatrice kann sich nur mühsam auf Krücken gestützt bewegen. Dass sie es überhaupt kann, grenzt schon an ein Wunder. Ihr hatten die Rebellen mehrfach ins Bein geschossen. Dennoch möchten beide zurück, wollen ihre Arbeit im Gesundheitszentrum in Gihanga so gut weiter machen, wie sie eben können. Angst haben sie keine. "Wer mich finden will, der findet mich überall", sagt Beatrice, die neben den Patienten auch die Kühe mit ihren drei Kälbchen vermisst, die zum Krankenhaus gehören.

In einem Brief haben sich die beiden bei Papst Benedikt bedankt, denn auch der Vatikan hatte den Flug nach Deutschland unterstützt. So gut sie können nehmen die beiden Schwestern augenblicklich am Konventleben teil. Täglich gehört Physiotherapie zu ihrem Programm — und seit kurzem Deutschunterricht. Anneliese Dorsemagen, Vorsitzende des Burundi-Komitees, kümmert sich sehr um die Schwestern, lädt sie ein, damit sie zwischendurch auf andere Gedanken kommen. Die Verständigung ist mitunter schwierig, doch es klappt — mit Gesten und manchmal auch nur mit einem Lächeln.

(NGZ/rl)