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Kaarst: Neuer Träger will Konzept der Martinusschule nicht verändern

Kaarst : Neuer Träger will Konzept der Martinusschule nicht verändern

Ab Herbst übernimmt der Rhein-Kreis die Verantwortung für die Förderschule.

Links und rechts des Eingangs zum denkmalgeschützten Gebäude hängt jeweils ein "Berufswahlsiegel", und das hat einen guten Grund: Die Martinusschule, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen, war die erste Einrichtung dieser Art im Rhein-Kreis Neuss, die von der Bertelsmann-Stiftung eine ausgezeichnete Berufsvorbereitung attestiert bekam. Zurzeit steht die zweite Rezertifizierung auf der Agenda von Schulleiterin Wienke Sälzer und ihrem Team.

Wienke Sälzer leitet die Martinusschule. Anmeldungen für das neue Schuljahr nimmt die Schulleiterin unter 02131 532284 entgegen. Foto: Rhein-Kreis Neuss

Ab dem neuen Schuljahr soll der Rhein-Kreis Neuss die Trägerschaft des Hauses übernehmen. In der vergangenen Woche hat der Kaarster Stadtrat einer entsprechenden Vereinbarung zugestimmt. Demnach werden demnächst nicht nur — wie bisher — Schüler aus Kaarst und Korschenbroich an der Halestraße unterrichtet, sondern auch aus Meerbusch, wo die Raphaelschule aufgelöst wird.

Hintergrund der "organisatorischen" Veränderung ist die Annahme, dass der Umbau des Schulsystems durch die Neufassung des Schulgesetzes und der Inklusionsgedanke dazu führen, dass Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf künftig nicht mehr in erster Linie Förder-, sondern eher Regelschulen besuchen. Deshalb — und wegen der demografischen Entwicklung — rechnen alle Förderschulen in den kommenden Jahren mit sinkenden Schülerzahlen.

"Wir werden im Schuljahr 2013/14 rund 130 Jugendliche in den Klassen eins bis zehn und etwa 25 Lehrer haben", sagt Schulleiterin Wienke Sälzer. Die Einrichtung, die seit 1968 besteht, ermöglicht die Abschlüsse "Förderschule Lernen" und "Hauptschule Klasse 9". Durch den Wechsel der Trägerschaft soll sich sowohl für die Schüler als auch für die an der Schule Beschäftigten so wenig wie möglich ändern. Der Standort bleibt derselbe, genauso wie das Lehrerkollegium und die Schulleitung. So wird zum Beispiel der Schulbusverkehr auch künftig von dem Busunternehmen angeboten, das zurzeit den Schülertransport übernimmt.

In der Martinusschule sind Jungen und Mädchen willkommen, die langsamer oder anders lernen als ihre Mitschüler und deshalb den Anschluss an ihre Klassengemeinschaft verloren haben. "Solche Kinder sind oft isoliert, verunsichert und haben häufig keinen Spaß mehr am Lernen", sagt Sälzer. Die Schulleiterin und ihre Kollegen stellen sich deshalb auf die individuellen Möglichkeiten der Schüler ein. "Der Lernstoff und die Unterrichtsmethoden werden so vorbereitet, dass es jedem möglich ist, Erfolgsergebnisse zu erlangen."´

Kreisweit einzigartig ist das Angebot "Beratung und Begleitung" an der Martinusschule. Es richtet sich an Familien mit entwicklungsverzögerten und behinderten Kindern und Mitarbeiter, die diese Kinder in ihren Institutionen betreuen. "Die frühe Förderung ist schon im Kindergartenalter wichtig, um den Start ins Schulleben zu erleichtern", sagen die zuständigen Pädagoginnen Dagmar Hillen und Monika Widlok-Dröge. Auch die von Petra Schefer koordinierte Schulsozialarbeit ist seit den 1990er Jahren ein erprobtes Konzept. Die Palette reicht von der Einzelbetreuung bis zur Hilfe beim Übergang in den Beruf.

(NGZ/rl)