Kaarst: Nach Kahlschlag: Stadt will nun robustere Bäume

Kaarst: Nach Kahlschlag: Stadt will nun robustere Bäume

Ahorne litten an Rußrindenkrankheit. Ersatz muss stadtklimafest sein.

Kettensägenmassaker in Kaarst: In nur zwei Tagen hat die Stadt insgesamt 400 Bäume fällen lassen. 320 davon waren kerngesund. "Sie standen zu dicht an den erkrankten. Es war nicht möglich einzelne Bäume herauszunehmen", sagt Stadt-Sprecher Peter Böttner. Gefallen sind die Bäume entlang der Xantener Straße. Vor rund einer Woche war bekannt geworden, dass viele der dort stehenden Ahorne an der Rußrindenkrankheit leiden, einer Pilz-Infektion, die die betroffenen Bäume absterben lässt. Insgesamt waren in Kaarst 80 und in Büttgen acht infizierte Ahorne ausgemacht worden. "Inzwischen haben wir an der Kreisstraße 37 drei weitere entdeckt", so Böttner. Auch diese Ahornbäume werden fallen müssen - und es könnten nicht die letzten sein. "Die Krankheit bricht erst aus, wenn es warm und trocken ist", erläutert der Sprecher. Im Sommer könnten die Sägen also erneut zum Einsatz kommen.

Über die jetzt gefällten Bäume hinaus, sind in diesem Jahr 30 weitere im Stadtgebiet den Sägen zum Opfer gefallen. "Sie waren krank, nicht mehr standfest oder mussten wegen Bauprojekten gefällt werden", erklärt Böttner. Für alle werde es Ersatzpflanzungen geben. "Wenn auch nicht immer an gleicher Stelle", so der Sprecher. Das Stadtklima sei in Ordnung.

Für die Bäume offenbar nicht. Nicht nur in Kaarst leidet das städtische Grün unter den Folgen des Klimawandels: Hitzetage und Tropennächte, Trockenheit und Starkregen, aber auch Schädlinge wie Miniermotte und Eichenprozessionsspinner machen den Stadtbäumen in ganz Deutschland zu schaffen. Die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) hat eine Empfehlungsliste erarbeitet, die im Internet einsehbar ist. Demnach gibt es für einige klassische Bäume eher wenig Hoffnung; andere empfehlen sich durch Resistenz gegen Trockenheit und Bodenversiegelung. Der auch in Kaarst häufig anzutreffende Bergahorn gehört zu den Verlierern. "Es wird einen Wandel im Baumbestand geben", sagt Stadt-Sprecher Böttner. "Wir werden auf die veränderten Bedingungen reagieren und auf stadtklimafeste Pflanzungen achten." So sollen künftig beispielsweise die von der GALK als geeignet klassifizierten Blumenesche und Felsenbirne gepflanzt werden und auch der Amberbaum soll im Stadtgebiet sein Zuhause finden.

Die schwere Erkrankung der Ahorne war bei den Arbeiten zur Erstellung des Baumkatastars aufgefallen. In diesem elektronischen Verzeichnis sollen einmal alle städtischen Bäume gelistet sein. Es soll vor allem einen Überblick über deren Verkehrs- und Standsicherheit geben. Begonnen worden ist das Projekt im Jahr 2013. Seither hat ein Mitarbeiter des Gartenamtes 8827 der geschätzt rund 12.000 Stadtbäume erfasst und saniert. Die häufigste Art ist mit 1725 Exemplaren der Ahorn, gefolgt von der laut GALK ebenfalls nicht stadtklimafesten Hainbuche (1.192) und der als bedingt geeignet eingestuften Eiche (981). Über die Eignung von neun ganz besonderen Kaarster Bäumen trifft die GALK keine Aussage: Mammutbäume wurden in deutschen Städten noch nicht getestet.

(NGZ)