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Kaarst: Mit dem Go-Kart auf Vettels Spuren

Kaarst : Mit dem Go-Kart auf Vettels Spuren

Als einzige Kartbahn in der Region bietet die "RS Speedworld" an der Friedrich-Krupp-Straße seit fast 20 Jahren die Möglichkeit zum Kartfahren. Auch Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel drehte in Holzbüttgen schon seine Runden.

Kaarst Die wichtigste Faustformel für das Kartfahren lautet: langsam in die Kurve rein und schnell wieder raus. Wer Sascha Pullen beim Fahren beobachtet, erkennt, wie die Ideallinie zu nehmen ist. "Man muss die Kurve außen anfahren, den Scheitelpunkt innen nehmen, dabei Gas geben und sich durch die Fliehkraft zum Kurvenausgang wieder nach außen tragen lassen", erklärt er später. Den richtigen Bremspunkt zu finden und nicht durch die Kurve zu rutschen sind die Kunst und das Feingefühl, die am Ende bis zu anderthalb Sekunden Vorsprung ausmachen können.

Der Anfänger kämpft aber erst einmal mit der Koordination seiner Füße, denn im Gegensatz zum herkömmlichen Auto wird das Go-Kart mit dem linken Fuß gebremst. Wer abrupt zu stark "in die Eisen" tritt, dreht sich. Und dann hat er nichts gewonnen, sondern sogar deutlich mehr als anderthalb Sekunden verloren. Auch die direkte Lenkung ist gewöhnungsbedürftig, denn nach einer halben Drehung ist sie bereits am Anschlag. Ein Ungeübter spürt sie noch am nächsten Tag als Muskelkater in den Armen.

Spätestens dann merkt auch der Spötter, dass es sich beim Go-Kartfahren sehr wohl um einen Sport handelt. Bei Langstreckenrennen über 100 oder 200 Runden ist zudem eine gute Kondition gefragt. Die Möglichkeit zum Kartfahren bietet die "RS Speedworld" in Holzbüttgen an der Friedrich-Krupp-Straße seit fast 20 Jahren. Sie ist etwas Besonderes für den Rhein-Kreis Neuss. Nicht nur, dass sie die einzige in der Region ist und Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel dort schon seine Runden drehte – sie war die erste permanente Indoor-Kartbahn in Deutschland und durch die mobilen Streckenbegrenzungen lassen sich 18 verschiedene Rundkurse aufbauen.

Monatlich wird der Parcours verändert. Sascha Pullen kennt dort jede Kurve und Gerade, schließlich hat der 32-Jährige sein halbes Leben auf dieser Kartbahn verbracht. "Jedem kleinen Jungen gefällt es doch, selber etwas zu steuern und zu fahren", sagt er. Doch 20 D-Mark für zehn Minuten Kartfahren konnte sich der Jugendliche damals nicht leisten. "Ich habe dann angefangen, auf der Anlage zu helfen, habe die Go-Karts geputzt und durfte dafür fahren", erinnert er sich. Nach einer Kfz-Lehre und einer kaufmännischen Ausbildung wurde er vom Gründer der Anlage, dem ehemalige Profi-Rennfahrer Otto Rensing, als dessen Nachfolger aufgebaut; 2010 übernahm Sascha Pullen schließlich die Kartbahnen.

Dass ihm die Fahrerei nach all den Jahren noch nicht langweilig geworden ist, liegt an der stetig neuen Herausforderung. Ihn packt der Ehrgeiz, die persönliche Bestzeit noch einmal um eine Zehntelsekunde zu verbessern und im Rennen Gleichgesinnte hinter sich zu lassen.

Rund 120 Fahrer zählt die RS Speedworld zu ihren Stammkunden. Am Wochenende fahren sie auf der Anlage verschiedene Meisterschaften aus. Ansonsten sind dort häufig Firmenfeiern, Geburtstage oder Junggesellenabschiede zu Gast. Für Kinder gibt es spezielle Familienzeiten.

(stef)