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Kaarst: Mit Chorprojekten in die Zukunft

Kaarst : Mit Chorprojekten in die Zukunft

Die klassischen Kirchenchöre kämpfen mit Mitgliederschwund. Kantor Böttcher setzt auf Flexibilität.

Kantor Dieter Böttcher (42), Seelsorgebereichsmusiker in der katholischen Pfarreiengemeinschaft Kaarst-Büttgen, weiß eines ganz genau: "Kirchenmusik wird es immer geben, denn Singen ist elementar!" Welcher Gesang es letztendlich ist, sei allerdings offen. Denn der Entwicklung der traditionellen Kirchenchöre mit Mitgliederschwund stehen aktuell fünf Chorprojekte mit einem temporär begrenzten Rahmen gegenüber - die Aufführung findet nach nur wenigen Wochen statt.

Auch wenn die Vorteile des klassischen Kirchenchores auf der Hand liegen - eine auf Jahrzehnte angelegte Mitgliedschaft bindet die Sänger, sein soziales Netz trägt, der Chorleiter kann ein abrufbares Repertoire aufbauen, die Feste im Kirchenjahr geben die Termine vor, Noten und Etat sind vorhanden - so fehlen doch seit Jahren Interessierte. "Eine solch feste Bindung ist unerwünscht, das altbackene Klischee eines Kirchenchores ist bei Jüngeren negativ besetzt", so Böttcher. Zudem sind die Gottesdienstbesucher weniger und älter geworden - jüngere Leute kämen eher zu Gottesdiensten mit Eventcharakter. "Die gesellschaftlichen Veränderungen kann man hier am ehesten sehen", meint der Kantor, der selbst einen Kirchen-, Jugend- und Kinderchor leitet.

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Welche Art von Musik kann in 15 Jahren in Kirchen noch gemacht werden - als Zusammenwirken von "gescheiter Liturgie und schöner Musik?", fragte sich Böttcher. Wie das Muster des traditionellen Chores aufbrechen? Die Antwort gibt er in Chorprojekten für diverse Altersgruppen und beide Geschlechter: Chor 30-49, Schola Juvenum , Weltgebetstagschor für Frauen, Pop-Oratorium Luther, Familienkonzert und "Veni Creator Spiritus".

Bei den letzten dreien werden die Projekte mit festen Chorgruppen vermischt. "Diese Chorprojekte schaffen mit immer anderen Leuten viel, die Sänger können selbst entscheiden, ob sie mitmachen, es gibt keine Bindung und Vereinsstruktur, oft lassen sie sich besser mit Familie und Beruf vereinbaren und für Neulinge sind sie ein einfacherer Einstieg, da alle bei Null anfangen", erklärt er. Zudem fördere die Probenarbeit in den diversen Kirchen der Pfarreiengemeinschaft deren Zusammenwachsen. Er sieht das Ganze nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Kirchenchören, sondern als ein Kennenlernen und Bereichern. Die oft verschüttete Bindung an Kirche und Glauben werde durch die christlichen Inhalte der Liedtexte wieder geweckt.

"Der klassische Kirchenchor könnte ein Auslaufmodell sein, vielleicht wird er ein Seniorenchor, was eine Entlastung bedeuten würde - das Werben um Jüngere fiele weg", sagt Böttcher nachdenklich. Eine Zusammenlegung der Kirchenchöre hält er für schwierig: "Das kann nur aus den Gruppen selbst kommen". Ob Teilnehmer von Chorprojekten in zwanzig Jahren auch auf tragfähige Gemeinschaften zurückgreifen können, bleibt offen. Die Kinderchorarbeit werde weiter wachsen: "Kinder singen einfach gerne!" Die Jugendchorarbeit sei wegen des "Turbo-Abis" (G8) schwierig geworden.

(NGZ)