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Kaarst: Mit 66 zum Helfen nach Afrika

Kaarst : Mit 66 zum Helfen nach Afrika

Bis vor zwei Jahren war Ilse Gödde Lehrerin. Am Sonntag ist sie nach Namibia aufgebrochen, um für mindesten zwei Jahre in einem Waisenhaus mit anzupacken. In Deutschland hat die Seniorin alles aufgegeben.

Sie hat alles hinter sich gelassen, hat ihre Sachen gepackt, um ein neues Leben in einem fremden Land zu beginnen – mit 66 Jahren. Dazu gehört viel Mut. Ilse Gödde ist genau das, was sich die meisten unter einer aktiven Seniorin vorstellen. Sie geht ins Fitnessstudio, lernt Taekwondo und engagiert sich bei der Initiative "Senioren helfen Kindern" in Kaarst. Bis vor zwei Jahren war Gödde Lehrerin für Biologie, Sport und Politik. Am Sonntag ist sie nach Afrika aufgebrochen, um zwei Jahre lang in Namibia in einem Waisenhaus zu helfen.

"Die Idee hatte ich schon vor meiner Pensionierung im Kopf", sagt die 66-Jährige. "Ich habe mir selbst gesagt, Du musst einfach etwas machen, um anderen zu helfen, denen es schlechter geht." In Deutschland hat sie alles aufgegeben. Die Wohnung ist leer geräumt, einige Kleinigkeiten sind eingelagert. "Meine Familie ist von meinen Plänen nicht besonders begeistert, aber in Afrika kann ich eine Menge erreichen," sagt Gödde.

Die geschiedene Seniorin hat schon oft bei Hilfsprojekten in Marokko und Kenia geholfen, doch dieses Mal ist es anders. Die Reise wird nicht einige Wochen, sondern zwei Jahre dauern. "Mindestens zwei Jahre," betont Gödde. Auch zwischendurch möchte sie nicht nach Deutschland zurückkehren. "Die Hilfe dort ist wichtiger. Ich hatte lange genug Freizeit."

Im vergangenen Jahr besuchte sie die Stadt Swapokmund im Westen Namibias, wo sie die nächsten Jahren in einem Kinderheim helfen will. Nach kurzer Internet-Recherche ist sie auf eigene Faust aufgebrochen und hat vor Ort geschaut, wo die Hilfe am dringendsten benötigt wird. "Die Verhältnisse sind einfach schrecklich", erzählt Gödde. "In dem Heim sind etwa 80 Waisenkinder im Alter von drei bis fünf Jahren, viele haben Aids." Als ausgebildete Pädagogin wird die Kaarsterin eine Gruppe der Kinder betreuen und unterrichten. "Das sind so freundliche und liebe Kinder, die wirklich etwas lernen wollen. Mit Bildung kommt die Hilfe an." Sie selbst habe sich gut auf ihre Reise vorbereitet, sagt Gödde. "Ich spreche fließend Englisch und Französisch, außerdem lerne ich seit einem halben Jahr Afrikaans."

Die schwierigen Verhältnisse in Namibia schrecken die Seniorin nicht ab. Angst oder ein flaues Gefühl hat sie nicht. "Um die Sicherheit mache ich mir keine Sorgen. Ich kann schon auf mich aufpassen." Die Kosten für ihre Reise und die Lebenshaltungskosten vor Ort trägt die Rentnerin komplett selbst. "Das ist auch gut so. Das Geld wird in der Einrichtung gebraucht," sagt die 66-Jährige. Am Sonntag ist Gödde aufgebrochen.

(NGZ)