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Kaarst: Mit 48 Jahren die "Stimme des jungen Kabaretts"

Kaarst : Mit 48 Jahren die "Stimme des jungen Kabaretts"

Er gilt als "die Stimme des jungen Kabaretts" und ist mittlerweile schon 48 Jahre alt: Christoph Sieber wirkt aber immer noch wie ein Berufsjugendlicher - und vor allem wie jemand, dem sein Job Spaß macht. Mit seinem Programm "Hoffnungslos optimistisch" kam er beim anspruchsvollen Kaarster Publikum sehr gut an.

Der Sohn eines Bürgermeisters gibt sich locker. Bei bestem Grillwetter erklärt er hektisch: "Wir müssen schnell machen, es ist heiß." Nein, er habe keine Antworten auf die großen Fragen der Zeit. Aber er haut Sätze raus, wie in Stein gemeißelt: "Die Demokratie braucht immer eine starke Opposition, weil sie sonst einer Diktatur immer ähnlicher wird." Führen uns CDU und SPD indirekt in die Diktatur?, werden sich verängstigte Zuschauer gefragt haben. Sieber scheint solche Gedanken zu erraten und erklärt: "Sie müssen hier nichts glauben, Sie können auch wissen." Hämisch setzt er sich mit einer Forderung der AfD auseinander: "Die will Flüchtlinge auf Inseln unterbringen - da ist man auf Sylt ganz schön zusammengezuckt. Von Sylt ist der Weg nicht weit zu den Reichen, die auf Kosten des kleinen Mannes leben." Dazu merkt Sieber an: "25 Jahre ,Tafeln' - das ist kein Grund zum Feiern. Feiern könnte man, wenn es sie nicht mehr geben müsste."

Ähnlich bissig nahm sich Sieber auch den zum Teil verstörenden Zeitgeist vor. In seiner überbordenden Fantasie sieht er per Bluetooth "kopulierende" Smartphones, während Mann und Frau Pokémons jagen. Auch die smarte Haustechnik ist ihm suspekt: Wenn der Sessel erkennt, dass man Übergewicht hat, geht die Kühlschranktür nicht mehr auf.

Köstlich: Sieber als Neureicher, der "unverschuldet zu Reichtum gekommen ist" - ein Großkotz, der auf Charity-Events Schampus schlürft, obwohl er davon Sodbrennen bekommt. Klasse auch die Geschichte vom Bäckermeister Häberle, den Sieber auf Businessdeutsch getrimmt hatte - er hatte "Kredibilität beim Customer verloren". Sein Credo: "Häberle first."

(barni)