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Kaarst: Ministerin verteidigt Inklusionspläne

Kaarst : Ministerin verteidigt Inklusionspläne

Die Landesarbeitsgemeinschaft von "Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen" fühlt sich beim Entwurf eines neuen Schulgesetzes nicht ausreichend berücksichtigt. Das wurde Schulministerin Sylvia Löhrmann klar zu versehen geben.

Die Landesarbeitsgemeinschaft von "Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen" NRW tagte am Samstag nicht ohne Grund im "Kunstcafé Einblick": Erstens wird dort die Integration Behinderter in vorbildlicher Weise praktiziert. Zweitens liegt Kaarst nicht weit von Düsseldorf entfernt. Von dort kam Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Sie sollte sich reichlich Zeit nehmen für die ebenso engagierte wie unzufriedene Landesarbeitsgemeinschaft.

"Ein neuer Schulgesetzentwurf ist vor 14 Tagen in den Landtag eingebracht worden, er soll die Inklusion ermöglichen. Ein richtiger Rechtsanspruch, so wie wir uns ihn wünschen, steht da nicht drin", erklärte die stellvertretende Landesvorsitzende von "Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen", Ulrike Hüppe aus Werne. Der Verband kämpfe seit mehr als 20 Jahren für einen gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung.

Sylvia Löhrmann sah viele bekannte Gesichter in Kaarst und gab sich entspannt: "Auch wenn wir nicht in allen Fragen einer Meinung sind, so betrachte ich uns doch als Verbündete mit einem gemeinsamen Ziel", sagte die Grünen-Politikerin. Inklusion sei ein Schwerpunktthema der Landesregierung geworden. Und die Ministerin fügte hinzu: "Ihnen geht es zum Teil zu langsam, anderen zu schnell." Was Löhrmann hervorhob: "Die Inklusionsquote für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf hat sich in den beiden vergangenen Jahren verdoppelt, sie liegt jetzt bei 25 Prozent". Das sei ganz ordentlich, sagte Löhrmann, die zugab, "dass es in Einzelfällen immer noch knirscht". Aber bis zu 2000 Pädagogen würden zu Sonderpädagogen nachqualifiziert. "Inklusion ist kein Problem, sondern eine große Chance", so die Ministerin. Sie zitierte aus einem bewegenden Brief einer Mutter eines Kindes mit Förderbedarf: "Unser Sohn ist vom Patienten zum Schüler geworden."

Die Landesarbeitsgemeinschaft fühlt sich aber nicht in ausreichendem Maße beachtet beim Zustandekommen des Gesetzentwurfes. "Wie das mit der Anhörung läuft, ist eine Unverschämtheit", erklärte ein Mitglied. "Die Eltern werden nicht in ausreichendem Maße gefragt, unsere Kinder werden verwaltet", beklagte auch Bernd Kochanek aus Dortmund, der Landesvorsitzende von "Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen" NRW. Kochanek freute sich, dass seine Arbeitsgemeinschaft mit dem Schulministerium im Gespräch ist. Was er unter anderem kritisiert: "Die Spielräume für eine inklusive Schulentwicklung sind durch die Landesregierung sehr verengt worden." Die Regierung überlasse außerdem zu viel dem freien Spiel der Kräfte — "Aber mittendrin stecken Eltern und ihre Kinder."

Bereits am Mittwoch dieser Woche wird Kochanek die Schulministerin wiedersehen: Dann wird der Fachbeirat Bildung gegründet. Seine Schaffung ist Teil des Landesinklusionsplans. Der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft wünscht sich beim Thema Inklusion mehr Vorgaben durch die Landesregierung. Vieles in den Schulen vor Ort sei nicht geklärt, was zum Nachteil der betroffenen Schüler und ihrer Eltern sei.

(NGZ)