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Kaarst: Mehr Familien nutzen die Drogenberatung

Kaarst : Mehr Familien nutzen die Drogenberatung

Die Zahlen der Beratungs- und Intensivfälle aus Kaarst sind innerhalb der Jugend- und Drogenberatungsstelle Neuss von 2011 auf 2012 deutlich gestiegen. Einen enormen Zuwachs verzeichnete vor allem die Fachstelle für Suchtprävention.

Die Jugend- und Drogenberatungsstelle der Stadt Neuss ist auch zuständig für die Belange des Jugendamts der Stadt Kaarst. Ihr Leiter Norbert Bläsing informierte jetzt den Jugendhilfeausschuss (JHA) über den aktuellen Sachstand. Die Zahlen seiner Statistiken zu den Beratungs- und Intensivfällen haben alle die gleiche Aussage: Sie sind gestiegen. Aber Norbert Bläsing ist bemüht, dass eine erste Interpretation nicht zu einer Dramatisierung führt. "Dies bedeutet noch lange nicht, dass es mehr Drogenabhängige in Kaarst gibt", sagt er.

Einen enormen Zuwachs vom Jahr 2011 auf 2012 verzeichnete vor allem die Fachstelle für Suchtprävention. Insgesamt 55 Familien suchten vergangenes Jahr die Beratung auf; in 2011 waren es nur zwölf. Auch in der Jugendberatung ("Jugend in Zukunft") stieg die Zahl der Ratsuchenden von 18 auf 40. "Auch hier würde ich sagen, dass sich eher unsere Angebote mehr herumgesprochen haben und sie mehr in Anspruch genommen wurden", sagt Bläsing. Allgemein sei diese Statistik von Jahr zu Jahr gewissen Schwankungen ausgesetzt, so die Erfahrung.

Seit bald 20 Jahren ist die Jugend- und Drogenberatungsstelle für alle Kommunen im Rhein-Kreis Neuss tätig. Kaarst liegt in dieser Statistik 2012 für das gesamte Kreisgebiet an zweiter Stelle, jede vierte Familien- und jede fünfte Jugendberatung fand mit Kaarster Bürgern statt. Die Zahlen von Familien- und Jugendberatung hängen in den meisten Fällen zusammen.

"In der Regel melden sich die Eltern bei uns, weil ihr Kind in der Schule, der Ausbildung oder zu Hause auffällig geworden ist. Nach einer ersten ausführlichen telefonischen Beratung laden wir sie dann zu einem gemeinsamen Gespräch ein. Danach teilen wir die Beratung meist auf. Die Eltern bleiben in der Familienberatung, ihr Kind geht in die Jugendberatung", erklärt Norbert Bläsing. Nur in wenigen Fällen würden Jugendliche von sich aus kommen. Diese Auffälligkeiten sind nicht einem regelmäßigen Drogenkonsum zuzuordnen. Das Einstiegsalter bei Drogen liege heute bei 17 Jahren, sagt der Leiter der Beratungsstelle. Ein Suchtproblem bei Minderjährigen sei eher der Alkohol: Dazu werde schon mit 14 oder 15 Jahren gegriffen. Die häufigsten konsumierten Drogen seien Heroin und Cannabis. Die Dunkelziffer bei den harten Drogen Heroin und Kokain sei eher gering, da sich "mindestens jeder Zweite" in ärztlicher oder psychischer Therapie befinde.

Bei den sogenannten "Intensivklienten" aus dem Rhein-Kreis Neuss ist wiederum auch fast jeder Zweite zwischen 22 und 35 Jahre alt; noch einmal 20 Prozent macht die Gruppe der 36- bis 45-Jährigen aus. "Auffällig bei der Altersverteilung ist, dass Dreiviertel aller bis 27 Jahre wegen Cannabis in Behandlung sind", sagt Bläsing. Anders sei es mit der Dunkelziffer bei Alkohol und vor allem beim Medikamentenmissbrauch, der in Deutschland gar nicht erfasst werde, so der Leiter der Jugend- und Beratungsstelle.

(stef)