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Altes Rathaus als Ausstellungsraum: Meditative Bilder

Altes Rathaus als Ausstellungsraum : Meditative Bilder

"Kreuze, Sterne, Tore" heißt die Ausstellung von Henriette Ingerfurth, die noch bis zum 27.Oktober im Alten Rathaus Kaarst zu sehen ist. Die in Driesch lebende Künstlerin lässt mit ihrer abstrakten Malerei dem Betrachter Raum für eigene Assoziationen - lediglich einige immer wiederkehrende Symbole dienen als "Wegweiser".

"Kreuze, Sterne, Tore", das hört sich religiös an. Die Bilder von Henriette Ingerfurth sind auch vor allem meditativ. Die Künstlerin wurde 1944 in Bayern geboren und hatte zunächst andere Vorlieben als die Kunst: So war sie die erste Eishockey-Schiedsrichterin Deutschlands. Lang' ist's her - seit Jahren widmet sich Henriette Ingerfurth der Malerei, außerdem schreibt sie Gedichte. Einige ihrer Herbstgedichte wurden auf der Vernissage gelesen.

Erstaunlich: Die Weite des Himmels, die die Künstlerin nach ihrem Umzug nach Driesch im Jahre 1989 genießen kann, hat ihre Arbeit beflügelt. Dunkle Farben überwiegen jetzt im Alten Rathaus, vor allem Blau und Schwarz. Die Bilder wirken trotzdem nicht bedrohlich-düster. Das Lapizlazuli-Blau, eine Farbe mit besonderer Leuchtkraft, kommt aus dem Himalaja.. Wegen des enormen Preises konnten sich im Mittelalter nur Kirchen diese Farbe leisten. Blau und Gold waren die Kirchenfarben im Mittelalter - die Driescher Künstlerin greift sie jetzt gerne auf.

Eine Intention von Henriette Ingerfurth: "Der Betrachter soll die Vergänglichkeit spüren." Etliche Arbeiten sind mit Austern, aber auch mit rostigem Blech collagiert: Die in langen Jahren vom Meer ausgewaschene Auster steht für das Leben, das arg lädierte Blech die Vergänglichkeit. Immer wieder fällt als Kontrast ein kleiner roter Punkt irgendwo auf dem Bild auf: Er symbolisiert das Leben jenseits der Vergänglichkeit. Der "Berg der Erleuchtung" ist ebenso stark abstrahiert wie die allermeisten anderen Bilder - der aufmerksame Betrachter wird immerhin auf eine Fährte geführt, die er dann weiter verfolgen kann.

Der Bogen - auch diese einfache Form taucht immer wieder auf - steht für ein Hineingehen, möglicherweise im Sinne von Erleuchtung, von Lebensweisheit erhalten. Der Besuch des Warschauer Ghettos - in dem die Nationalsozialisten die polnischen Juden menschenunwürdig eingepfercht hatten - hat zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Davidstern geführt. Auch hier wieder die gewohnten Symbole: Die Muschel macht deutlich, dass letztendlich das Leben gesiegt hat. Einige der rund drei Dutzend Exponate gehören zusammen - sie erzählen dem, der sich ihnen widmet, sich auf sie einlässt, Geschichten.

Das Kreuz versteht Henriette Ingerfurth als Symbol für das Leben, aber auch als Buchstaben "T" und damit als Zeichen für Tiefe und Trauer. Einige Bilder wirken auf den ersten Blick nahezu monochrom. Die Kreuze und andere Symbole sind erst bei genauerem Hinsehen zu entdecken. Die überwiegend mit Fundstücken collagierten Bilder fordern die Auseinandersetzung. Die Ausstellung ist montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr und montags, mittwochs, freitags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. (barni)

(NGZ)