Feuerwehrübung: Löschangriff erfolgte zu zögerlich

Feuerwehrübung : Löschangriff erfolgte zu zögerlich

Von Rudolf Barnhold

Von Rudolf Barnhold

20 junge Feuerwehrleute aus dem gesamten Rhein-Kreis hatten am Samstag Vormittag ein haariges Problem zu lösen: Aus der Katholischen Grundschule Büttgen war ein Nuclid-Laboratorium geworden. Hier galt es, einen Verletzten zu bergen, radioaktive Strahlung festzustellen und den Brand zu löschen. Alles zur Übung natürlich. Wie hoch ist die Strahlung? Bei einer Feuerwehrübung, bei der 20 Florianer aus dem gesamten Kreisgebiet beteiligt waren, ging es am Samstag um die Rettung eines Verletzten aus einem kontaminierten Raum. Der Einsatzleiter war insgesamt mit der Leistung seiner Männer zufrieden, der Löschangriff erfolgte allerdings zu zögerlich. NGZ-Foto: M. Reuter

Nach bestandener Prüfung müssten die Feuerwehrleute jetzt für Strahlenschutzeinsätze gerüstet sein. Lehrgangsleiter Horst Berger, der demnächst Referent am Institut der Feuerwehr in Münster wird, war mit der Leistung insgesamt zufrieden. Lediglich der Löschangriff sei etwas zögerlich erfolgt.

Nils Schwiemann hatte wieder die entsprechende Vorarbeit geleistet: Disco-Nebel breitete sich im Schulgebäude aus, als die Feuerwehrleute eintrafen - auf Knalleffekte hatte er diesmal verzichtet. "Sind Sie der Hausmeister?", fragte Einsatzleiter Reiner Vieten den Feuerwehrarzt Dr. Wolfgang Hedding. Horst Berger schlüpfte in die Rolle des Hausmeisters: "Das Labor ist im Kellergeschoss", ließ er die Feuerwehrleute wissen.

Die - sofern sie nicht aus Kaarst stammen - mussten sich an Fahrzeugen bedienen, die ihnen nicht sonderlich vertraut sind. Schnell breiteten sie jeweils eine quadratische weiße und eine schwarze Kunststoffplane aus: Der schwarze Bereich war für Personen gedacht, die noch nicht mit dem Kontaminationsnachweisgerät überprüft worden waren.

Die ersten Feuerwehrmänner, die sich mit Atemschutz in das "Labor" vortasteten, trugen so genannte Kontaminationskleidung Form 1 - wegen der gebotenen Eile, immer galt es, einen Verletzten zu bergen, war bewusst auf umfassendere Sicherheitsausstattung verzichtet worden. Die knallgelbe Puppe wurde schon bald herausgetragen und auf die schwarze Plane gelegt.

Feuerwehrleute in cremefarbener Schutzkleidung vom Typ Form 2 machten sich in dem Gebäude zu schaffen, Horst Berger klemmte einem von ihnen einen Glühstrumpf aus einer Gaslampe unter den Gürtel - das thoriumhaltige Objekt fiel anschließend auf dem Dekontaminationsplatz wegen seiner - geringen - Strahlung auf - die Prüflinge hatten also gewissenhaft gearbeitet.

Zwischendurch trat der stellvertretende Löschzugführer Norbert Faßbender als störender Passant auf - er wurde hinter die Absperrungen verwiesen. Was passiert denn jetzt? Ein großer Belüfter wurde herbeigeschafft, um das Gebäude rauchfrei zu bekommen. Ist es nicht ein kapitaler Fehler, Sauerstoff in einen Brandherd zu befördern? Lehrgangsleiter Horst Berger fand die Aktion in Ordnung: "Das Feuer lodert dann auf, wo es ist und kann so gut gelöscht werden."

Was ihn ein wenig enttäuschte: Der Löschangriff - er ist zwar im Verhältnis zur Personenrettung nachrangig - erfolgte zu zögerlich. Zunächst rückten Feuerwehrkräfte mit einem Pulverlöscher und einer Kübelspritze mit lächerlichen zehn Litern Wasser vor. Aber auf seinen Hinweis, der ganze Lagerraum stehe in Flammen, wurden die Schläuche dann doch noch blitzschnell ausgerollt - insgesamt also eine Leistung, die sich durchaus sehen lassen konnte.

Zufrieden ist auch Stadtbrandinspektor Herbert Palmen mit der technischen Ausrüstung: "Für 2004 waren noch Sondermittel in Höhe von 5 000 Euro zur Verfügung gestellt worden - für den Strahlenschutz sind wir jetzt perfekt ausgestattet." Das hörte sich vor einem Jahr noch ganz anders an. Was jetzt wohl noch fehlt, ist ein rund 2 000 Euro teures und wichtiges Chemikalien-Messgerät.

(NGZ)