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Kaarst: "Lesepartner" bieten Kindern Lebenshilfe

Kaarst : "Lesepartner" bieten Kindern Lebenshilfe

Bei der Aktion der Kaarster "Lesepartner" des Fördervereins der VHS Kaarst-Korschenbroich wird nicht vor-, sondern gemeinsam gelesen. Denn: Kinder lesen auch selbst noch gerne. Sie müssen vielleicht nur mehr dazu motiviert werden. "Bei unserem ersten Treffen hat der Junge seine Büchertasche auf den Boden geschmissen. Heute haben wir viel Spaß zusammen und veranstalten Lesewettbewerbe", erzählt Hanno Wilsch ein Beispiel.

Der Vereinsvorsitzende ist einer von derzeit 68 aktiven Lesepartnern. Zuletzt ist Dr. Rainer Neumann dazugekommen. Vor seinem Ruhestand lehrte der 64-Jährige an einer medizinischen Fakultät. Statt mit Studenten arbeitet er jetzt als Lesepartner mit einem Drittklässler zusammen. Bei ihm wird aber nicht nur gelesen, sondern dazu auch gebastelt. Und da sich Jungen vor allem für Technik interessieren, wurde nach einer Bauanleitung ein Segelflugzeug gebastelt. Lesen ist für Neumann nur ein Aspekt in seinem Engagement. "Wenn wir uns treffen, hat er jemand, der ihm zuhört und mit dem er sich austauschen kann. Das ist meine Motivation zum Weitermachen", sagt er.

Lesen und Spielen verbindet auch Heidi Kirschbaum. Zuletzt las sie mit ihren beiden Kindern ein Sachbuch über Deutschland. "Wenn ich merke, dass es sie interessiert, vertiefe ich das Thema mit ihnen", sagt sie.

Die Aktion Lesepartner scheint nach ihrem ersten Jahr nur Erfolgsgeschichten zu schreiben. Rund 100 Kinder aller Grundschulen treffen sich einmal die Woche für eine Stunde mit den Erwachsenen. "Einige Lesepartner nehmen inzwischen ein zweites und drittes Kind", sagt Mitinitiatorin Ingrid Hartmann-Scheer. Erfolge sind, wenn die Kinder mehr Selbstbewusstsein zeigen oder mit guten Noten versetzt werden.

Das Patenkind von Mariann Schmidt-Wichmann fühlte sich wegen seiner Lese- und Rechtschreibschwäche in der Klasse zurückgesetzt. "Zum Ende des Schuljahres ist es aufgeblüht. Das Buch, das wir gelesen haben, wollte es unbedingt mit auf Klassenfahrt nehmen", erzählt die 67-Jährige. Diplom-Bibliothekarin Doris Hiller legt auch im Ruhestand die Bücher nicht beiseite. Ihr erstes Kind sei sehr aufgeweckt gewesen, aber unkonzentriert.

Mit gemischten Gefühlen ging Ute Kronewald das Projekt an. Ihr erstes Kind habe in der vierten Klasse noch arge Leseprobleme gehabt. Am Ende des Schuljahrs stand eine verbesserte Deutsch-Note auf dem Zeugnis. Häufig bräuchten die Kinder mehr Zuwendung. "Wie sprechen auf Augenhöhe. Das aufgebaute Vertrauen tut uns beiden gut", sagt die 64-Jährige.

Die Aktion Lesepartner expandiert derweil. In Korschenbroich startete sie im aktuellen Schuljahr. Die Ehrenamtlichen kommen auch aus den Nachbarstädten Neuss und MeerbuschBei bisher nur sieben Männern wird deutlich, woran es im Moment eigentlich nur hapert.

(NGZ/ac)