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Fall Daniel D. in Kaarst: Lehrer steht wegen Totschlags vor Gericht

Fall Daniel D. in Kaarst : Lehrer steht wegen Totschlags vor Gericht

Es ist eines der mysteriösesten Verbrechen der vergangenen Jahre im Rheinland: Mitte Dezember 2013 war der 35-jährige Daniel D. an einer Landstraße bei Kaarst erschlagen worden. Verdächtigt wird sein Cousin. Der steht ab Dienstag vor Gericht.

Die Leiche von D. wurde nachts neben seinem Audi-Coupé gefunden. Ab dem morgigen Dienstag muss sich nun sein Cousin wegen Totschlags vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Ein Motiv fehlt, auch die Tatwaffe wurde nie gefunden - trotzdem ist die Staatsanwaltschaft davon überzeigt, den 28-jährigen Sportlehrer überführen zu können.

Am Abend des 11. Dezember 2013 sollen sich Versicherungsmitarbeiter Daniel D. und sein Cousin gegen 22.10 Uhr am Rande der L 380 bei Kaarst-Büttgen getroffen haben. "Ob sie sich dort verabredet haben, können wir nicht sagen", so Staatsanwalt Matthias Ridder. Dennoch ist er sich sicher, dass Sportlehrer Ulf G. am Tatort war. Nachträglich wurden in seinem Auto nämlich Blutspuren des Opfers sichergestellt. "Außerdem haben wir herausfinden können, dass der Anschnallgurt des VW Golf herausgetrennt wurde", so Ridder. "Darüber hinaus hat der Angeklagte versucht, den Wagen mit Benzin zu reinigen."

Am Tattag selbst hätten Daniel D. und sein Cousin häufig miteinander telefoniert - der Inhalt der Gespräche ist bis heute unbekannt. Der Grund: Ulf G. schweigt beharrlich. "Ich gehe auch nicht davon aus, dass sich das vor Gericht ändern wird", sagt Verteidiger Gordon Christiansen. Wer ihm aufmerksam zuhört, der merkt, dass er den Anklagevorwurf der Ermittler nicht für abwegig hält. "Die These der Staatsanwaltschaft, dass es zu dieser Tat gekommen sein muss, halte ich nicht für ausgeschlossen."

Dennoch sei es ein Puzzlespiel, bei dem alle Teile richtig zusammengefügt werden müssten. "Es gibt zwar eine Menge Indizien, aber kein Geständnis und auch keine direkten Tatzeugen." Weil er Realist ist, nimmt er das Wort "Freispruch" als Ziel nicht in den Mund. "Vor Gericht kann sich ein Totschlags-Vorwurf schnell in einen Mord verwandeln", so Rechtsanwalt Christiansen. Dann drohe eine lebenslange Freiheitsstrafe.

In den vergangenen Wochen wurde spekuliert, dass einige Ungereimtheiten im Leben des Angeklagten zum tödlichen Streit mit seinem Cousin geführt haben könnten. So soll der 28-jährige Hobby-Tennisspieler auf seinem Computer Nacktfotos mehrerer Schülerinnen eines Willicher Gymnasiums gespeichert gehabt haben. Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass er sich seinen Posten an der Schule mit gefälschten Semesterbescheinigungen erschlichen haben könnte. Ob der später getötete Daniel D. davon wusste, ist unklar. "Fakt ist: Die beiden waren gute Freunde und sind sogar nebeneinander aufgewachsen", so Verteidiger Christiansen - umso mysteriöser erscheint die Tat am Rande der Landstraße.

87 Zeugen sollen im auf 22 Tage angesetzten Prozess gehört werden, viele davon aus der gemeinsamen Familie. Das Urteil wird frühestens im Oktober erwartet.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronik: Der Fall Daniel D.

(RP)