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Kaarst: Legionär nach Feierabend

Kaarst : Legionär nach Feierabend

Römer-Fan Michael Krajewski schlüpft auf Festen in die Rüstung eines Söldners.

Asterix und Obelix findet Michael Krajewski richtig gut. Er liest die Comics vor dem Schlafengehen. Sie seien sehr authentisch, nur bei den militärischen Rängen nicht so genau. Krajewski dürfte es wissen: Er gehört einer Interessengemeinschaft für römische Militär- und Kulturgeschichte im Rheinland an und trägt dafür öfters im Jahr eine typische Legionärsausrüstung. Der 49-Jährige gehört zur "Legio XV Primigenia". Die Einheit existierte tatsächlich.

"Die Römer führten eine exakte Geschichtsschreibung. Deswegen muss man auch nichts hineininterpretieren", sagt Krajweski. Seine Legion war in Bonn und Xanten stationiert. "Es fehlt zwar der archäologische Nachweis, aber es lässt sich vermuten, dass die Legion bei ihrem Weg von Bonn nach Xanten in Neuss zumindest Halt gemacht hat", so der Römer-Fan.

Mit Archäologie befasst sich Michael Krajewski seit mehr als 15 Jahren. Für die Denkmalbehörde des Rhein-Kreises beteiligt er sich ehrenamtlich im Vorfeld von Baumaßnahmen an Feldbegehungen. Auf Kaarster Äckern fand er Gürtelbeschläge oder Schlossblechnägel aus der Zeit seiner Legion. "Die lassen wir dann nachgießen und tragen sie", erzählt er. Die "Legio XV Primigenia" repräsentiert die Römer im ersten Jahrhundert. Michael Krajewski steht im Rang des Probatus, dem "zu Prüfenden". Anfangs spielte er als Kelte bei Showkämpfen den Prügelknaben, jetzt gehört er als Söldner der Legionärstruppe an.

Für eine genaue Darstellung hat sich Krajewski seine blonden Haare bis zur Schulter wachsen lassen. Zur Ausrüstung gehören Helm (Cassis) und der Schienenpanzer (Lorica segmentata), das römische Kurzschwert (Gladius) und ein Dolch (Pugio). Die Ledersandalen (Caligae) sind selbstgemacht. Die Epoche des ersten Jahrhunderts lässt sich an der Wurflanze (Pilum) und dem Schutzschild (Scutum) ablesen. "Die Schilder werden von uns selbst bemalt", sagt Krajewski.

Sobald Krajewski und Kollegen in ihre Rollen schlüpfen, sind alle modernen Dinge tabu. Niemand trägt eine Brille oder raucht. Ein Sattler in der Gruppe zeigt sein Handwerk, andere kochen und grillen auf traditionelle Weise. "Damals wurde vieles gegart. Es gab verschiedene Sorten von Hackbällchen, außerdem wurde viel mit Datteln und Honigsoßen gekocht", so Krajewski. Vor Publikum marschieren die Legionen gemeinsam auf und zeigen unterschiedliche Angriffsformationen mit bis zu 100 Mann. Große Veranstaltungen sind etwa das Epochenfest in Jülich, das Römerfest in Trier und das Romeinenfestival in Nijmwegen. In der näheren Umgebung war die "Legio XV Primigenia" dieses Jahr beim Familienfest auf Schloss Dyck vertreten.

(stef)