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Kaarst: "Lebensmittel-Outlet" im XXL-Kühlschrank

Kaarst : "Lebensmittel-Outlet" im XXL-Kühlschrank

Anfang Juni ist der "Kaas Frischdienst" in die Räume der ehemaligen "Schlecker"-Filiale an der Maubisstraße gezogen. Der Großhändler verkauft Markenprodukte aus Über- und Fehlproduktionen zu Discounter-Preisen.

Für die Kaarster ist das noch ungewohnt: Einkaufen gehen im "Kaas Frischdienst"-Lager ist ein bisschen so wie ein Überraschungsei öffnen — niemand weiß, was hinter dem transparenten Kunststoffvorhang steckt, der den auf drei bis sieben Grad heruntergekühlten Verkaufs- vom normaltemperierten Kassenraum trennt. An jedem Öffnungstag gibt es neue Angebote: Joghurt, Käse, Oliven, Antipasti, Fertiggerichte, Pizzen, Majonnaise, Pasta, Tütensuppen, Wurst, Konserven, Tiefkühlgerichte, Wein, Sekt — zum Beispiel. Auf jeden Fall: fast ausschließlich bekannte Markenprodukte, für durchschnittlich 50 bis 70 Prozent unter dem Normalpreis. Was der "Kaas Frischdienst" umsetzt, ist ein einfaches aber höchst effizientes Konzept.

Anfang Juni ist das Kempener Familienunternehmen in die Räume der ehemaligen "Schlecker"-Filiale an der Maubisstraße gezogen. Den Großhandel mit Käse, Feinkost und Molkereiprodukten betreibt "Kaas" seit mehr als 125 Jahren — mittlerweile in sechster Generation. Zum Grundsortiment kamen Fleisch-, Fisch- und Tiefkühlprodukte. Viele Großküchen, Krankenhäuser und Kantinen gehören seit Jahrzehnten zum Kundenstamm. Zusätzlich hat sich der Großhändler darauf spezialisiert, Markenartikel aus dem Lebensmittelbereich weiterzuvermarkten. "Dabei garantieren wir eine Vermarktung in Vertriebszweige, die den deutschen Einzelhandel nicht berühren", sagt Geschäftsführer Frederik Kaas.

Das heißt: "Kaas" kauft Über- und Fehlproduktionen namhafter Markenhersteller ein und veräußert die Waren in relativ schmuckloser Umgebung zu günstigeren Preisen. Das Sortiment wechselt ständig. Mal hat der Kirsch-Joghurt einen Deckel mit Aprikosen-Aufdruck, mal ist die Müsli-Packung ein bisschen zerdrückt. Für den Einzelhandel vor Ort sieht Kaas seinen "Frischdienst" deshalb eher als Ergänzung denn als Konkurrenz. "Supermärkte haben hohe Standards", sagt er. "Zum Beispiel fordern sie für Joghurts, die wir anliefern, ein bestimmtes Mindesthaltbarkeitsdatum. Wenn die Paletten nur noch kürzer haltbar sind, wandern sie in den Lagerverkauf." Den Transport dorthin übernehmen die eigenen Fahrzeuge aus dem Großhandel. Das spart das Geld für einen Spediteur.

Die günstigen Preise ergeben sich bei "Kaas" aber auch aus niedrigen Personalkosten. Deshalb hat die Kaarster Filiale auch nur an drei Tagen geöffnet: dienstags und freitags von 12 bis 18 und samstags von 9 bis 13 Uhr. "Wir könnten auch jeden Tag aufmachen", sagt Kaas. Für den frisch verpackten Käse, der extra für den Lagerverkauf geschnitten wird, die Tiefkühl-Hähnchenschnitzel und die Fleischwurst am Stück müsste der Kunde dann allerdings deutlich mehr bezahlen. Die Ware wird in Paletten eingelagert. Das spart Zeit und wiederum — Personal.

Die Idee zum Lagerverkauf, der es auch dem Endverbraucher ermöglicht, Lebensmittel zu günstigen Preisen einzukaufen, entstand übrigens aus einer Wette zwischen Senior-Chef Peter Kaas und seinem Prokuristen. Mit Kaarst hat jetzt die achte Filiale eröffnet, sieben weitere gibt es am Niederrhein. In Neuss und Düsseldorf sollen weitere folgen.

(NGZ)