1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: Leben in einem neuen Zuhause

Kaarst : Leben in einem neuen Zuhause

In dieser Woche hat das Johanniter-Stift Kaarst sein siebenjähriges Bestehen gefeiert. Insgesamt 80 Bewohner und 70 Mitarbeiter füllen dort ein preisgekröntes Wohnkonzept mit Leben aus. An erster Stelle steht der Mensch.

Anny Eser hat ihr eigenes Geschirr mitgebracht – das Gute aus schönem weißem Porzellan. Wenn ihr Bekannter Bruno Wendorf nachmittags auf einen Kaffee und ein Stückchen Torte vorbeischaut, wird es aus dem Schrank geholt. Für Anny Eser ist das wichtig, denn – das eigene Geschirr zu benutzen heißt, dass man zu Hause ist.

Eser und Wendorf wohnen beide im Johanniter-Stift Kaarst. In dieser Woche hat die Senioreneinrichtung am Sandfeld ihr siebenjähriges Bestehen gefeiert. Insgesamt 80 Bewohner und 70 Mitarbeiter – 40 im Pflegebereich, 30 in den Bereichen Hauswirtschaft, Verwaltung und soziale Dienste – füllen dort ein preisgekröntes Wohnkonzept mit Leben aus.

"ProDoku" heißt das Modell, das im Regionalzentrum West der Johanniter Seniorenhäuser GmbH entwickelt und jetzt mit dem Innovationspreis für herausragende, zukunftsweisende Projekte im Johanniter-Verbund ausgezeichnet wurde. "Die Idee dahinter", sagt Einrichtungsleiterin Rosel Band, "ist einfach erklärt: Wohnen bedeutet für uns, nicht nur irgendeine Räumlichkeit zur Verfügung zu stellen. Wohnen bedeutet, am sozialen Leben teilzuhaben und auch im Alter das Leben mit Sinn zu füllen."

Das heißt: An erster Stelle steht der Wunsch der Bewohner. Sie leben sozusagen in der Belle Etage, sagen, was sie wollen und was ihnen wichtig ist – das eigene Geschirr benutzen zu dürfen, zum Beispiel, morgens lange ausschlafen zu können oder womöglich den Tag mit einem Glas Sekt zu beginnen. Die Pflege, der soziale Dienst und die Hauswirtschaft agieren darunter und passen sich an.

"Wer bei uns einzieht, hat bis zu diesem Zeitpunkt in der Regel ein erfolgreiches, selbstbestimmtes Leben gelebt", sagt Pflegedienstleiter Kay Heinze. "Deshalb beraten wir und bestimmen nicht." Eingegriffen wird nur dort, wo Intervention gewünscht wird oder dringend notwendig ist. Seit März wird das Konzept im Kaarster Haus geschult.

Rosel Band sagt: "Uns ist es wichtig, zu vermitteln, dass das Leben in einem Seniorenheim überhaupt nichts Beängstigendes hat. Hier wird miteinander gelebt, in einer sozialen Gemeinschaft. Viele Bewohner entwickeln noch einmal ganz neue Fähigkeiten, die durchaus eine Bereicherung sind. Und wenn dann jemand ,zu Hause' sagt und das Stift meint, dann haben wir unser Ziel erreicht."

(NGZ)