Kaarst: Lärmschutz aus „Zweiter Hand“

Kaarst : Lärmschutz aus „Zweiter Hand“

Kaarst Um den klammen Haushalt der Stadt zu schonen, ist viel Kreativität gefragt.

Das technische Dezernat hatte eine ungewöhnliche Idee: Da beabsichtigt ist, die Autobahn 57 zwischen Krefeld und Neuss von vier auf sechs Fahrstreifen zu erweitern, muss auch in Kaarst die schon bestehende Lärmschutzwand abgebrochen werden.

Und zwar auf insgesamt 1800 Metern Länge zwischen dem Kaarster Kreuz und der Anschlussstelle Neuss-Holzbüttgen.

Das brachte den Technischen Beigeordneten Manfred Meuter auf folgende Idee: "Immer wieder beschweren sich Bürger über Lärm, der von der Autobahn kommt.

Wir haben uns erkundigt und könnten die alten Lärmschutzwände, die an der A 57 abgebrochen werden, kostenlos bekommen."

Weitere Idee Meuters: Die Wände könnten dann im Bereich der A 52 wieder aufgebaut werden. Denn gerade dort ist der Autobahnlärm oft unüberhörbar.

Besonders störend ist er zum Beispiel für die Besucher des angrenzenden Friedhofes. "Gerade dort haben die Menschen ein Recht auf Ruhe", unterstreicht Meuter.

Das Technische Dezernat erkundigte sich, ob in Deutschland schon einmal in ähnlicher Weise eine Lärmschutzwand zweitverwertet wurde. Doch Fehlanzeige.

Deshalb hat die Stadt ein 2000 Euro teures Gutachten in Auftrag gegeben. Und zwar an die Ingenieursgesellschaft Stolz, die in Kaarst ansässig ist.

Grundsätzlich machbar ist es durchaus, die alte Wand an der A 52 wieder aufzubauen.

"Es wäre gegenüber einer vollständig neuen Wand in gleichartiger Ausführung, für die bei einer Länge von rund 1800 Meter Kosten in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro anfallen, eine Einsparung von rund 40 Prozent möglich", erklärte Diplom-Ingenieur Walter Drewnowski, der die Machbarkeitsstudie für die Stadt Kaarst erstellt hat.

Auch wäre gewährleistet, dass deutlich weniger Lärm in Kaarst zu hören wäre - vor allem im Bereich zwischen Jungfernweg und Alte Heerstraße. Allerdings wären einige Bedingungen zu erfüllen, um die Wand neu aufzubauen.

So müsste der Geländeverlauf neben dem Sandstreifen an der Autobahn neu ausgemessen werden.

Außerdem wäre ein neues Baugutachten zu erstellen. Weiter wäre zu klären, ob im Rahmen der Arbeiten Bäume zu fällen und womöglich neu anzupflanzen wären.

Der eigentliche Haken an der Sache: Nach 20 bis 25 Jahren müsste die zweitverwertete Lärmschutzwand schon wieder ausgetauscht werden.

Denn da die Teile gebraucht sind, ist eine längere Nutzungszeit nicht möglich. Bei einer neuen Lärmschutzwand dagegen dauert es im Schnitt 40 Jahre, bis ausgetauscht werden muss.

Daher empfiehlt die Verwaltung, dass die alten Lärmschutzwände doch nicht entlang der A 52 montiert werden sollen.

Pech für die lärmgeplagten Kaarster: Einen neuen Lärmschutz wird es in näherer Zukunft ebenfalls nicht geben.

Denn da für den Bereich ab der Anschlussstelle Kaarst kein Anspruch auf aktiven Lärmschutz entlang der A 52 besteht, entfällt die 1,7 Millionen Euro teure Maßnahme.

Zumindest so lange, bis die A 52 einmal erweitert werden sollte. Denn dann wird die Frage des Lärmschutzes neu gestellt. Doch damit ist in den kommenden Jahren nicht zu rechnen.

(NGZ)
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