Korschenbroich: Berti Vogts - ein Weltmeister ganz nah

Sportstar in Korschenbroich : Berti Vogts – ein Weltmeister ganz nah

Als Gast des Rotary Club Kaarst-Korschenbroich erzählt der Welt- und Europameister aus seinem Sportlerleben und analysiert den modernen Fußball. Er rät: Bei aller Bedeutung der Athletik, die Kreativität der Spieler mehr zu fördern.

Beinahe wäre Berti Vogts, die Gladbacher Fußball-Legende, Spieler von Fortuna Düsseldorf geworden. Der Klub aus der Landeshauptstadt, dessen Fan der junge Berti war, hatte ihm das weitaus bessere Vertragsangebot gemacht. Dass der hochbegabte Kicker dennnoch am Bökelberg unterschrieb, betrieb Dettmar Cramer. Der damalige Cheftrainer des Westdeutschen Fußballverbandes (WFV) riet dem Talent, sich Gladbachs Trainer Hennes Weisweiler anzuvertrauen: „Der arbeitet viel mit jungen Spielern.“ Außerdem traf er dort auf Günter Netzer, Jupp Heynckes und Werner Waddey, die er aus der WFV-Auswahl kannte. Vogts unterschrieb in Mönchengladbach seinen ersten Profivertrag. Der Beginn einer großen internationalen Karriere.

Also alles richtig gemacht. Das sieht der Welreisende in Sachen Fußball heute auch so. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt Vogts (72) rückblickend. Der Fußballheld aus Büttgen besuchte jetzt den Rotary Club (RC) Kaarst-Korschenbroich im Restaurant Liedberger Landgasthaus; erzählte aus seinem spannenden Sportlerleben und analysierte den modernen Fußball von heute.

Berti Vogts genießt Weltruf, doch er ist der bescheidene Mann vom Niederrhein geblieben. Nahezu 50 Rotarier und Gäste hörten ihm 45 Minuten gebannt zu. Zurückhaltend im Umgang, leise im Ton, aber glasklar in der Meinung. Wer in Büttgen wohnte, berichtete er, fuhr nach Neuss und Düsseldorf zur Arbeit, zum Ausgehen und zum Fußball. Zuweilen folgt er diesem Sog heute noch. Am Samstag schaute er sich in Neuss den Fackelzug an.

Als sich Vogts im Alter von 17 Jahren für Borussia Mönchengladbach entschied, verzichtete er auf viel Geld. Geld, das er dringend benötigte. Seine Eltern waren früh verstorben, er wuchs bei seiner Tante in Büttgen auf. Bei Bauer & Schaurte in Neuss wurde er zum Werkzeugmacher ausgebildet, beim VfR Büttgen zum Fußballspieler. Mit seinen Flanken bediente er Dieter Kirchhartz, der als Mittelstürmer viele Zuspiele von Vogts zu Toren verwertete. Die Männer-Freundschaft hält bis heute. Auch beim Rotary-Treffen saß Kirchhartz am Tisch.

Wer von Berti Vogts spricht, der denkt an einen der erfolgreichsten Spieler, die Fußball-Deutschland hervorgebracht hat. Er war Weltmeister 1974 und führte als Trainer die deutsche Mannschaft 1996 in England zum Europameistertitel. Heute hat Vogts im DFB-Beirat eine wichtige Beraterstimme, reiste jüngst auf Einladung der FIFA nach Singerpur. Er, der selbst als Trainer unter anderem in Kuweit, Nigeria und Aserbaidschan arbeitete, mag sich aber nicht an den Gedanken gewöhnen, dass die WM 2022 im kleinen Wüstenstaat Qatar stattfinden soll – mit 48 Mannschaften im Winter: „Ich weiß wirklich nicht, wie das funktionieren soll.“

Auch nach der WM-Enttäuschung von Russland glaubt Vogts an die Qualität im deutschen Fußball. Die U 21-Elf habe mit dem Finaleinzug bei der EM in Italien gute Leistung gezeigt; er sehe mit Spielern wie Luca Waldschmidt vom SC Freiburg hochveranlagte Talente, die Bundestrainer Löw längst im Auge habe. Er wünsche sich aber, dass mehr das kreative Element gefördert und nicht vornehmlich die Athletik trainiert werde, damit die Spieler in Rekordzeit auf den Außenbahnen rauf und runter rennen können. Als DFB-Beitrat habe er vorgeschlagen, die Trainerausbildung entsprechend auszurichten. Von Gladbachs neuem Trainer Marco Rose hält er viel: „Er erreicht die Spieler.“

(NGZ )
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