Konverter Kaarst: SPD drängt auf Freigabe der Dreiecksfläche

Konverter-Standort: SPD drängt auf Freigabe der Dreiecksfläche

Die SPD-Fraktion will die Umwidmung der Kaarster Dreiecksfläche. Amprion spricht derweil schon mit Osterather Grundbesitzern.

Im Streit um den Konverter-Standort macht die SPD-Fraktion im Regionalrat nun Druck. In dem Antrag, über den in der nächsten Sitzung am 12. Juli abgestimmt werden soll, heißt es: „Der Regionalrat fordert die Bezirksregierung auf, planerisch tätig zu werden, damit die Dreiecksfläche in Kaarst als Standort für einen Konverter genutzt werden kann.“ Während die SPD sich dafür einsetzt, den Weg frei zu machen, damit der Konverter nach Kaarst kommen kann, hat Amprion bereits erste Gespräche mit Grundstücksbesitzern im Osterather Standortbereich II/2 aufgenommen.

Das hat der Netzbetreiber Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage bei einem Treffen Anfang der Woche mitgeteilt. Außerdem gebe es Überlegungen, den Konverter auf der Fläche weiter in Richtung Bovert zu verschieben, weil dort weniger verschiedene Grundstückseigentümer betroffen wären, mit denen sich Amprion gegebenenfalls schneller einig werden könnte. Der Konverter hätte dort immer noch deutlich mehr als 400 Meter Abstand zur Wohnbebauung, sagte Mielke-Westerlage.

Derzeit scheint Amprion also mit Osterath zu planen, dabei hatte der letzte Planungsausschuss des Regionalrats noch anderes vermuten lassen: Dort hatte der Geologische Dienst einen Bericht präsentiert, dem zufolge die insgesamt 106 Monitoringflächen für die Rohstoffgruppe Kies und Kiessand ein deutlich größeres Restvolumen vorgewiesen hatten, als in einem vorherigen Bericht vorgetragen worden war. Fraglich sei, ob der Regionalrat diese Erkenntnisse in seiner Sitzung als Grundlage für einen Einleitungsbeschluss zur Aufgabe der Dreiecksfläche fasst“, sagte Mielke-Westerlage. Eine Einzeländerung wäre möglich.

Amprion habe im Gespräch weiterhin betont, an der Dreiecksfläche dran bleiben zu wollen. Am 15. September muss Amprion die Unterlagen für die Bundesfachplanung zur Festlegung des Trassenkorridors einreichen, die dann von der Bundesnetzagentur (BNA) geprüft wird. Amprion werde in diesem Verfahren alle fünf Konverter-Standorte aus dem finalen Gutachten bennenen, erklärte die Meerbuscher Bürgermeisterin. Der Standort Dreiecksfläche werde allerdings mit einem Sternchen versehen, da die BNA nur die Benennung der ernsthaft in Frage kommenden Standorte verlangt. Nach derzeitigem Stand ist das bei der Dreiecksfläche nicht der Fall.

Während diese Entwicklung bei Kaarster Konverter-Gegnern für positive Stimmung sorgen dürfte, überlege die Verwaltung in Meerbusch weiterhin mit Hochdruck, welche Aktivitäten sie noch aufnehmen könne, damit der Standort Osterath nicht realisiert wird, hieß es seitens der Bürgermeisterin. Ein sachlich gebotenes Vorgehen sei für Mielke-Wessterlage allerdings nicht mehr erkennbar.

Im Kaarster Rathaus nimmt man die Entwicklungen zur Kenntnis und wartet ab, heißt es auf Nachfrage. Ginge es nach Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, bestünde kein Grund, die Standortsuche allein auf die Flächen zwischen Kaarst und Meerbusch zu konzentrieren. „Nach der Entscheidung, dass für die Stromtrasse von Emden bis in unsere Region Erdverkabelung verwendet werden soll, gibt es Alternativen.“ Krefeld-Fichtenhain zum Beispiel sei ein denkbarer Standort. „Aber der wird erst gar nicht untersucht“, so der Landrat. Auch die Fläche des alten Kraftwerks Frimmersdorf oder das bereits diskutierte Grundstück bei Gohr könnten nach wie vor die bessere Wahl sein. Amprion argumentiere zwar mit den hohen Kosten der Erdverkabelung, wenn Standorte wie Frimmersdorf weiter von der ursprünglich geplanten Leitungstrasse abweichen würden, Petrauschke hält das aber für nicht stichhaltig: „Natürlich ist die Erdverkabelung teuer, aber angesichts der Kosten der Trasse von Emden bis ins Rheinland ist das relativ zu betrachten.“

Mit Blick auf die Kaarster Dreiecksfläche warnt Petrauschke vor schnellen Lösungen, die die auf Oberverwaltungsgerichtsebene bestätigte Gebietsentwicklungsplanung aufheben oder umgehen: „Dann gelten die bestehenden Konzentrationsflächen für den Kiesabbau nicht mehr und überall, wo Kies verfügbar ist, könnten Abbaugenehmigungen gestellt werden.“ Das wiederum hätte erhebliche Folgen – auch für Natur und Stadtentwicklung.

Kiesabbau ist nicht nur ein erheblicher Eingriff in die Landschaft, sondern auch mit Lärm und hohem Verkehrsaufkommen verbunden. „Auch dagegen gibt es Proteste“, so Petrauschke. Zudem sei die Frage, ob eine Erdverkabelung für die Kaarster Dreiecksfläche überhaupt infrage komme, ungeklärt. Eine 40 bis 50 Meter Bautrasse für die Erdverkabelung sei direkt an der Autobahn nur schwer vorstellbar. Andere Standorte lägen direkt unter einer Hochspannungsleitung. Sollte es Klagen gegen eine Standortentscheidung geben, könnten Gerichte dies kritisch hinterfragen. „Wir brauchen aber eine gerichtsfeste Entscheidung“, so der Landrat. Würde jetzt zum Beispiel für die Dreiecksfläche entschieden und ein Gericht kassiere diese Entscheidung später wieder, sei dies fatal: „Dann geht die ganze Suche wieder von vorne los.“

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