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Kaarst: Kommissarin wirbt für Kinderschutz

Kaarst : Kommissarin wirbt für Kinderschutz

Mit ihrem Vortrag über "Prävention von Missbrauch" setzte Sabine Rosenthal-Aussem den Schlusspunkt eines Aufklärungsprojekts in der Kita Thüringerstraße. Ihr Appell: Eltern müssen ihre Kinder stärken.

Kriminalhauptkommissarin Sabine Rosenthal-Aussem steht seit mehr als 30 Jahren im Polizeidienst des Rhein-Kreises Neuss. Sie ermittelte bei Jugendstraftaten, in Missbrauchsfällen bis hin zum Morddelikt. Doch immer wenn die Kripo kommt, ist bereits etwas passiert. Um es nicht so weit kommen zu lassen, engagiert sie sich seit einigen Jahren in der Präventionsarbeit und dem Opferschutz. In der städtischen integrativen Kindertagesstätte Thüringenstraße referierte die 54-Jährige über "Prävention von Missbrauch".

Der Vortrag bildete den Abschluss eines Projekts der Kindertagesstätte mit seinen Vorschulkindern. "Darin haben wir ihnen aufgezeigt, wie sie Stärke zeigen können und Nein sagen", sagte die stellvertretende Kita-Leiterin Sabine Hoffmann. Mit dem Besuch der Kriminalhauptkommissarin sollten die Eltern in das Thema eingebunden werden.

In überschaubarer Runde saßen rund zehn Erzieherinnen und Mütter zusammen. "Wir mussten die Veranstaltung verschieben, und so fiel der Termin jetzt leider zeitgleich auf den Info-Abend einer Grundschule", so Hoffmann. Beim ersten Mal wäre die Teilnahme größer gewesen.

Die Polizeibeamtin las zu Beginn die Geschichte des neunjährigen Mädchens Norma vor. Es wurde von einem Nachbarn missbraucht. Er galt als anständiger Mann, die Erwachsenen glaubten dem Kind nicht. Viele Jahre später schrieb es darüber in seiner Autobiographie. Das Mädchen hieß Norma Jeane Baker, besser bekannt als Marilyn Monroe. Hinter dem Begriff des sexuellen Missbrauchs stehe eine breite Spanne an Tatbeständen, sagte die Referentin, von einer Äußerung über die Berührung, von einer sexuellen Handlung vor dem Kind bis zu seiner Vergewaltigung.

Dass ein kleines Kind ins Auto gelockt wird, ist dabei der seltenste Vorfall. "Sexueller Missbrauch ist ein Beziehungsdelikt. Das heißt, die Täter kommen in 90 Prozent der Fälle aus dem familiären oder sozialen Umfeld des Kindes", erklärte Sabine Rosenthal-Aussem. "Die Grenze zwischen Kuscheln und Übergriff ist für Kinder schwer zu erkennen. Das machen sich die Täter zunutzen", sagte sie. Wenn die Erwachsenen dem Kind nicht glauben, was es ihnen erzählen möchte, traut es seiner eigenen Wahrnehmung bald nicht mehr und schweigt schließlich. Da Missbrauch selten sichtbare Spure hinterlässt, müssten Eltern auf verschlüsselte Signale achten. "Bei den Kindern werden Stresssymptome ausgelöst, sie bekommen etwa diffuse Kopf- oder Bauchschmerzen", so Rosenthal-Aussem. Ein Risikofaktor sei das Elternhaus, in dem sich nicht ausreichend um den Nachwuchs gekümmert werde. Neben der liebevollen Erziehung sollte die Persönlichkeit der Kinder gestärkt werden. Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung beginne bereits beim Verweigern eines Küsschens der Großeltern.

Darin sah auch Erzieherin Sabine Hoffmann die wichtigste Botschaft des Info-Abends. "Für ein stabiles Selbstbewusstsein müssen Kinder unterstützt und nicht klein gehalten werden", so Hoffmann. Denn Schwächen und Sorgen des Kindes machen den Täter stark.

(NGZ)