1. NRW
  2. Städte
  3. Kaarst

Kaarst: Kita-Streik: Eltern machen Druck auf Stadt

Kaarst : Kita-Streik: Eltern machen Druck auf Stadt

Auch in der kommenden Woche bleiben die Kitas Kölner Straße und Alte Heerstraße zunächst geschlossen. Eltern kritisieren eine mangelhafte Kommunikation und fehlende Kreativität bei der Problemlösung - unter anderem.

Am Anfang konnte noch die Oma aushelfen, oder die Nachbarin, oder irgendeine andere Mutter aus dem Kindergarten. Doch nach drei Wochen Erzieher-Streik liegen die Nerven dann doch ziemlich blank. In dieser Woche haben Kaarster Eltern Bürgermeister Franz-Josef Moormann und Sozialdezernent Sebastian Semmler im Rathaus besucht und ihrem Ärger Luft gemacht. "Bei allem Verständnis für die Forderungen der Erzieher und die Belastung der Jugendamtsmitarbeiter - die Stimmung ist angespannt", sagt Mutter Katja Holland-Wartchow. "Wir Eltern sind gut organisiert und wird werden täglich mehr."

Seit dem 11. Mai sind die städtischen Kitas auf Kaarster Stadtgebiet vom Tarifstreit der Erzieher betroffen. Die Kitas Bussardstraße, Kölner Straße und Alte Heerstraße waren seither geschlossen, in der kommenden Woche bleiben die beiden Letztgenannten zu. Der Bereich Jugend und Familie improvisiert die Einrichtung von Notgruppen an der Büdericher-, der Lichtenvoorder- und der Bussardstraße. Bislang, heißt es vonseiten der Stadt, konnten in Kaarst alle Unterbringungswünsche erfüllt werden. Für die Zukunft gibt es dafür aber keine Garantie. "Wie genau der Bedarf und das Kontingent an Notplätzen aussieht, können wir immer erst am Morgen des jeweiligen Tages bestimmen", sagt Sozialdezernent Semmler. "Erst dann wissen wir, wie viele Erzieher streiken und wer womöglich aus anderen Gründen fehlt."

Bei der Stadt Kaarst sind derzeit 128 Erzieher beschäftigt. Mit Schwankungen, so schreibt der Bürgermeister jetzt in einem offenen Brief an die Eltern, befänden sich derzeit 47 im Streik. Hinzu kämen krankheitsbedingte Ausfälle. Für alle Nichtstreikenden gilt eine Urlaubssperre. "Das Jugendamt tut, was es kann", sagt Sebastian Semmler. "Düsseldorf hält gar keine Notgruppenplätze vor, Meerbusch 90, Kaarst zwischen 130 und 200. Und: Das Essensgeld wird zurückbezahlt." Trotzdem gibt es Kritik aus der Elternschaft.

Die, heißt es, richte sich in erster Linie gegen die bislang schwerfällige Informationspolitik der Stadt. Auch mangelnde Kreativität bei der Suche nach Alternativlösungen wird bemängelt. "In Meerbusch hat die Stadt von sich aus angeboten, Räume zur Verfügung zu stellen, damit die Eltern die Betreuung selbst organisieren können", sagt Elternsprechering Katja Holland-Wartchow. "In Kaarst mussten wir erst auf die Stadt zukommen. Dann hieß es: ,Das ist schwierig, aus rechtlichen Gründen'." Mittlerweile, das bestätigt Sebastian Semmler, ist auch für Kaarst eine Lösung nach Meerbuscher Vorbild geplant.

Wütend sind die Eltern aber auch über die ablehnende Haltung der Verwaltung in Bezug auf eine Beitragsrückerstattung. "Man könnte den Eindruck erlangen, Kindergartenbeiträge werden genutzt, um sich gesund zu stoßen", sagt Holland-Wartchow. In seinem Brief schlägt Bürgermeister Moormann jetzt vor, das während des Streiks eingesparte Geld - wegen des bürokratischen Aufwands - nicht einzeln an die Eltern auszubezahlen, sondern in die jährliche Kostenberechnung der Kitas einfließen zu lassen. Auf diese Weise, so Moormann, werde das Geld tatsächlich für die Förderung der Kinder eingesetzt.

(NGZ)