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Kaarst: Kindergarten im "Bautzestall"

Kaarst : Kindergarten im "Bautzestall"

1938 errichteten die Nationalsozialisten auf dem Grundstück des Robertz-Gehöfts an der Giemesstraße einen Kindergarten. Nach Kriegsende wurde die Einrichtung in die Obhut der Pfarre St. Martinus übergeben.

Die organisierte Kinderbetreuung begann in der Gemeinde Kaarst 1918, als auf Betreiben des Kaarster Pfarrers Leonhard Joseph Lejoly im Marienheim eine "Kleinkinderbewahrschule" eingerichtet wurde. Unentgeltlich konnten sie Kinder ab drei Jahre besuchen. Diese Bewahrschule war damit der erste katholische Kindergarten im Ort.

An Stelle des Kindergartens steht heute das Haus Giemesstraße 1. Foto: Stadtarchiv Kaarst

Mit ihrer Machtergreifung wollten die Nationalsozialisten aber ihre eigenen Ideologien verbreiten. Zwar blieb die katholische Einrichtung erhalten, doch die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) eröffnete gegenüber einen eigenen Kindergarten. Der Kaarster Gemeinderat hielt das Grundstück mit alten Stallungen des Robertz-Gehöfts an der Giemesstraße für geeignet.

Kindergärtnerin "Fräulein Johanna" war sehr beliebt. Foto: Stadtarchiv Kaarst

Der Rat übergab der NSV das Grundstück in Erbpacht über eine Dauer von 99 Jahren. Die alten Stallungen wurden 1938 abgerissen, an der Stelle des Kälberstalls wurde der neue Kindergarten errichtet. Und weil zu Kälbchen im Volksmund "Bautz" gesagt wurde, erhielt der Kindergarten den Spitznamen "Bautzestall".

Nach Kriegsende übergaben die Amerikaner die Einrichtung in die Obhut der Pfarre St. Martinus und den damaligen Pastor Otto Krott. Die Kinderbewahrschule im Marienheim wurde aufgelöst, der "Bautzenstall" zum katholischen Kindergarten. Marianne Michels besuchte den "Bautzestall" in den 1950er Jahren. Ein kleines Erinnerungsbuch an die Kindergartenzeit besitzt sie heute noch. Einige Bastelarbeiten und gemalte Bilder sind dort eingeklebt, ebenso ein Gruppenfoto mit ihrer Kindergärtnerin, Fräulein Johanna. Die junge Frau war bei den Kindern beliebt, denn sie war nicht so streng wie die Nonnen. Gemeinsam wurden Theaterstücke einstudiert und im Saal von Haus Motes aufgeführt. Im Sommer wurde auf der Veranda und im Garten gespielt.

Fräulein Johanna erkennt auch heute noch ihre Zöglinge von damals. Im "Bautzestall" wurden bis in die 1970er Jahre Kinder betreut. Nach der Schließung zogen die Pfadfinder dort ein, in den 1990er Jahren wurde er für den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses abgerissen. Am alten Domizil der Familie Robertz steht heute die Post, der Hof liegt nördlich im freien Feld.

(stef)