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Kaarst: Kammerorchester begeistert

Kaarst : Kammerorchester begeistert

Unter der Leitung seines neuen Dirigenten Heinz Klaus präsentierte sich das Kammerorchester Kaarst beim Konzert im Atrium des Rathauses von seiner besten Seite. Der Schweizer Musiker setzt auf kammermusikalische Transparenz.

Der Sound, den das Kammerorchester Kaarst mit dem "Divertimento Nr. 3 F-Dur" von Wolfgang Amadeus Mozart mit raumgreifender Fülle aus dem Atrium des Rathauses bis hoch in die dritte Galerie schickte, war atemberaubend.

Das besser als "Salzburger Sinfonie (KV 138) bekannte Werk wurde zudem auch in seinen schnellen virtuosen Ecksätzen und dem höchst melodischen "Andante" vorzüglich gespielt. Die 21 Streicher, unter ihnen vier Gäste des Erwachsenenorchesters der Neusser Musikschule, waren von ihrem neuen Leiter Heinz Klaus exzellent vorbereitet worden.

Der Schweizer Musiker, bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren zuletzt als Kapellmeister an den Vereinigten Städtischen Bühnen Krefeld/Mönchengladbach tätig, setzt ganz auf kammermusikalische Transparenz. Das findet bei seinem Orchester ganz hörbar konzentriertes Engagement.

Gute Probenarbeit befähigt dann auch zu der Leichtigkeit, mit der die "Sinfonie G-Dur" von Christoph Willibald Gluck musiziert wurde. Während man im etablierten Konzertbetrieb allenfalls seine Ouvertüren zu hören bekommt, setzte das "neue" Kaarster Kammerorchester auf kostbare Raritäten, zweifellos eine Stärke des Programms und von der stattlichen Besucherzahl beifällig aufgenommen. Dazu gehörte auch die melodisch üppige "Serenade für Streichorchester" von Edward Elgar.

Lediglich im langsamen Satz konnte man schon mal ahnen, dass es sich hier um ein Laienorchester handelt. Eine wunderbare Überraschung war die "Elegie für Violine und Streichorchester" von Keith Jarrett. Der heute 67-Jährige legendäre Jazzpianist schafft hier einen freien Fluss motivisch geprägter Improvisationen, die zwischen Solo und Tutti hin- und herwogen und im Übrigen nichts mehr mit Jazz zu tun haben.

Den Solopart hatte Wiebke Elhami übernommen. Die Konzertmeisterin des Kammerorchesters spielte einen großen Geigenton, der auch in tiefen Lagen von schöner Farbe war. So hatte das Stück wenig Elegisches, oder wie Keith Jarret sagt: "In der Musik lassen sich negative Emotionen in etwas Positives verwandeln."

Niveauvolle Unterhaltung bot schließlich auch das Finale: Peter Warlock hat in seinem bekanntesten Werk "Capriol sechs Renaissancetänze zunächst für vierhändiges Klavier, 1926 für Streicher und später für großes Orchester bearbeitet. Attraktive Harmonien, feine Kadenzen und gelegentliche Streichereffekte machten die sechs kurzen Sätze zu einem Hörgenuss. Dafür war aber vor allem auch verantwortlich die neue Spielkultur des Orchesters.

(Nima)