Kabarett in Kaarst Ingolf Lücks Geschichten vom Älterwerden

Kaarst · Nach lange Bühnenabstinenz kehrt der Comedian mit dem Programm „Geht nicht? Gibt´s nicht“ zurück. Darin nimmt der bald 64-Jährige auch sich selbst aufs Korn. Und das hört sich dann so an.

 Trat Samstag im Einstein-Forum auf: Kabarettist Ingolf Lück.

Trat Samstag im Einstein-Forum auf: Kabarettist Ingolf Lück.

Foto: Jürgen Moll

Ein Sprung, und schon steht Ingolf Lück mitten auf der Bühne. Schon beachtlich, immerhin wird es nächsten Monat nicht 44, auch nicht 54 sondern sagenhafte 64 Jahre. Warum er so motiviert ist, verrät er gleich: Er stand in den vergangenen zwei Jahren so selten auf der Bühne, dass er eigentlich dem Publikum applaudieren müsse – und nicht umgekehrt.

Spätestens seit er ab 1985 mit dem ARD-Format „Formel 1“ die Wohn- und Jugendzimmer eroberte, dürfte er einem breiten Publikum bekannt sein. Ingolf Lück kann nicht viel verkehrt gemacht haben. Vor drei Jahren sah ein Millionenpublikum, wie er den Tango zelebrierte und bei Let“s Dance siegte.

Der Titel seines neuen Bühnenprogramms „Geht nicht? Gibt´s nicht“ scheint für ihn Programm zu sein. Lück hangelt sich an seiner Biografie entlang. Mit fast 64 Jahren ist das Altern natürlich auch ein Thema: „Ich habe einen Freund, der ist 70 und trägt nur noch Beige“, erklärt Lück. Und er berichtet, wo und wie sich das Alter bemerkbar macht: „Im Restaurant gibt es den Senioren- oder Pinocchio-Teller.“ Und die Frau an der Kasse im Supermarkt nehme  ihm die Geldbörse ab und suche sich selbst die Münzen daraus zusammen. Nein, er sei noch nicht alt, bestenfalls Vintage. Und das ist ja grad schwer angesagt.

Lück wuchs in Bielefeld auf. Auch das ist ein Thema: „Der Bielefelder geht nicht nur zum Lachen in den Keller, er gräbt sich dort auch noch ein Loch“, verrät der Comedian. Was er noch preisgibt: Dass es als Kind zweimal bei der Fahrradführerscheinprüfung durchgefallen ist.  „Seitdem fahre ich illegal.“ Sein Geständnis: „Ich konnte nix als Kind und war doch glücklich.“ Sein Tipp heutzutage: Selbstsuboptimierung.

Ingolf Lück ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Eine dieser Geschichten führen ihn und seine Frau im fortgeschrittenen Alter zum Kiffen nach Amsterdam. Die Wirkung ist wider Erwarten hammermäßig.  Lück schildert den Zustand totaler Verwirrung ganz genau. Immer wieder wird er laut, bekommt Gefühlsausbrüche, der Auftritt könnte Teil einer Psychotherapie sein und ist doch nicht mehr oder weniger als der Auftritt eines Mannes mit einem enormen Schauspieltalent. Und mit einer großen Bühnenpräsenz und Spielfreude.

Auch Alltagsthemen fließen in sein Programm ein wie zum Beispiel die jüngste Niederlage von Arminia Bielefeld oder die erste (fiktive) Begegnung dem Freund der Tochter – für den Vater ein Albtraum.  Er warnt vor Männern im Allgemeinen: „Sie tarnen sich schon mal als netter Mensch.“ Und wie sieht er den lustigen Landwirt Ludger aus „Bauer sucht Frau“? „Er würde die Geister in der Geisterbahn verjagen.“

„Hab“ ich noch nie gemacht, aber ich träume davon“, lautet ein Satz, der mehr als einmal vorkommt. Er ist typisch für Ingolf Lück und zeigt: Mit ihm wird noch lange zu rechnen sein.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort