Kaarst als Standort favorisiert: Kaarster wehren sich gegen den Konverter

Kaarst als Standort favorisiert: Kaarster wehren sich gegen den Konverter

Der Bürgermeister kritisiert die Informationspolitik des Netzbetreibers Amprion. Er hat die Regierungspräsidentin eingeschaltet. Die Grünen im Kreis weisen auf Gefahren für den Flug-, Bahn- und Straßenverkehr hin.

Das Thema ist mehr als ein Politikum - es bewegt. Rund 250 Bürger kamen am Mittwochabend auf Einladung der Stadt in die Aula des Georg-Büchner-Gymnasiums, um sich von Vertretern des Stromnetzbetreibers Amprion Fragen in Bezug auf das umstrittene Stromkonverter-Projekt beantworten zu lassen. Denn: Fragen haben die Kaarster seit vergangenen Dienstag mehr denn je.

Das gilt vor allem für ihren Bürgermeister. Sarkasmus ist eigentlich kein Stilmittel, das Franz-Josef Moormann besonders gut liegt. In Bezug auf die Standortsuche fällt ihm gestern Vormittag allerdings nichts Besseres ein: "Der Ablauf ist schon bemerkenswert", sagt er und meint damit die Informationspolitik, die der Netzbetreiber Amprion bis heute an den Tag gelegt hat. "Das ist so, als ob es mehrere Schatzkästchen gibt, die nach und nach geöffnet werden und von denen keiner weiß, was drin ist. Das kann nicht sein."

Am Dienstag hatte Amprion im Planungs- und Umweltausschuss des Kreises erklärt, die sogenannte Dreiecksfläche an der Stadtgrenze zu Meerbusch - zwischen A 57, Bahnlinie und L 30 - sei mit 1300 Metern Abstand von der geschlossenen Wohnbebauung die aus Unternehmenssicht am besten geeignetste. Laut Regionalplan ist die Fläche für Kiesabbau vorgesehen. Der Rhein-Kreis selbst hatte sie als 20. Standort ins Spiel gebracht, nachdem Amprion 19 mögliche Flächen benannt hatte. Das macht das Argumentieren für Moormann noch schwieriger. "Abgesehen davon, dass es bis heute keine vernünftige Betriebsbeschreibung für den Konverter gibt, hat bisher auch noch niemand von Amprion hinreichend begründet, warum der Rhein-Kreis Neuss überhaupt Standort sein muss", sagt er.

Kiesabbau oder Stromkonverter? Das ist eine Frage der übergeordneten Planung. "Geklärt werden muss, wer die letztendliche Entscheidung über die Nutzung trifft", sagt Moormann. Der Regionalplan, so der Verwaltungschef, richte sich schließlich nicht per se nach den spontanen Vorhaben eines privaten Unternehmens. "Ich habe Anfang der Woche die Regierungspräsidentin angeschrieben. Auf eine Antwort warte ich noch."

Bei der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses des Kreises hatte sich auch Professor Jochen Thiel für die Bürgerinitiative Kaarst/Büttgen vehement gegen einen Konverter-Standort im Kaarster Stadtgebiet ausgesprochen: "Dafür gibt es keinen sachlichen Grund, da dort kein Umspannwerk oder ein Knotenpunkt existiert", sagte Thiel. Kaarst sei die flächenmäßig kleinste Stadt im Rhein-Kreis, die Freiflächen dringend nötig habe. "Bei der Suche muss auch die Kulturlandschaft betrachtet werden, nicht nur die Natur", forderte er. Zur Kaarster "Dreiecksfläche" wies er auf die festgeschriebene, anderweitige Nutzung hin. "Durch den Konverter ist die Lebensqualität der Kaarster bedroht", schloss Jochen Thiel sein Statement ab, das er wie die anderen Vertreter der zwölf Bürgerinitiativen gegen den Konverter im Kreisumweltausschuss abgeben durfte.

Einen Sicherheitsaspekt haben am Dienstag die Kreis-Grünen angesprochen. Obwohl Gegenbeispiele vorlägen, werde ein Brand von Aprion als "unwahrscheinlich" abgetan, sagte Matthias Molzberger, planungs- und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Kreistagsfraktion. Auf der Dreiecksfläche, inmitten der Ein- und Ausflugschneise des Flughafens, könne ein Konverter-Brand mit massiver Rauchentwicklung eine erhebliche Gefahr für den Straßen-, Bahn- und Flugverkehr darstellen. Deshalb, sagt Molzberger, sei es nur konsequent, wenn das auch in die Standortfindung miteinbezogen würde. "Der Konverter muss nicht nur von Wohnbebauung, sondern auch von stark frequentierten infrastrukturellen Einrichtungen ausreichend entfernt sein."

Im Ausschuss hatte Amprion auf Nachfrage erklärt, über keinerlei Erfahrung in Bau und Betrieb von Anlagen dieser Größenordnung zu verfügen, sondern auf externes Know-how vertrauen zu müssen. "Ich habe Bauchschmerzen, Mensch und Umwelt in einen Feldversuch zu schicken", sagt Molzberger.

(NGZ)
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