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Kaarst: Kaarster veröffentlicht Kriegsaufzeichnungen

Kaarst : Kaarster veröffentlicht Kriegsaufzeichnungen

Wingolf Scherer hat Original-Notizen eines Kriegstagebuchführers der Wehrmacht vorgelegt bekommen. Teil eins ist jetzt erschienen.

Percy Ernst Schramm war Kriegstagebuchführer des Wehrmachtsführungsstabes. Als alles auf die Kapitulation hinauslief, missachtete er den Befehl, alle Unterlagen zu vernichten. Er verbrannte nur unwichtige Notizen und übergab die wichtigen Schriftstücke im Mai 1945 an die Amerikaner in Berchtesgaden.

Über Umwege bekam jetzt der Kaarster Autor Wingolf Scherer, der bereits zwölf Kriegsbücher veröffentlicht hat, diese Aufzeichnungen von seinem Verlag vorgelegt. Teil eins – mit einem Vorwort von Scherer – ist jetzt beim Helios-Verlag erschienen. Der Verlag hörte auf den Herausgeber und entschied sich für eine Veröffentlichung im Urzustand. "Somit kann niemand den Vorwurf erheben, es sei etwas verändert worden", sagt Scherer.

Es gibt mehrere Gründe, die die Lektüre für den an der Historie interessierten Leser so empfehlenswert machen. "Die Tatsachen werden ungeschönt dargestellt, unter anderem die Unabweisbarkeit der Niederlage", erklärt Scherer.

War Percy Ernst Schramm ein überzeugter Nationalsozialist? Der Kaarster glaubt das nicht. Erstaunlich sei allerdings, dass er seine Vertrauensstellung behalten durfte, nachdem seine Schwägerin wegen Widerstands hingerichtet worden war. Scherers Meinung dazu: "Die datenmäßig genaue Erfassung der Verluste der Wehrmacht und der Folgen der Bombenangriffe liefert eine erschreckende Bilanz dieses Widerstandes."

Der 88-Jährige, der einst Geschichte studierte, hat weitere Dokumente bekommen, die er in die Neuauflage einer seiner bereits erschienenen Bücher integrieren möchte. Dabei geht es um einen Kanonier aus Thüringen, der als 16-Jähriger in Düsseldorf als Luftwaffenhelfer wirkte und der seine Wehrmachtserfahrungen niedergeschrieben hat. Der Tod von Kameraden, der Kontakt zur Zivilbevölkerung, alles ist genau beschrieben. Auch, dass es zum Schluss drei Alternativen für ihn und seine Kameraden gegeben hat: Sie konnten freiwillig weiterkämpfen, aber auch kapitulieren, ohne negative Folgen befürchten zu müssen.

Die jungen Kämpfer, die nach Hause gehen wollten, schlugen sich dorthin durch. Der ehemalige Kanonier kam nach etlichen Wochen wohlbehalten in seiner Heimatstadt Gera an.

Info "Aus den Aufzeichnungen des Kriegstagebuchsführers des Wehrmachtführungsstabes", Teil 1, Der Krieg von Westen nach Osten 1945, erschienen im Helios-Verlag, ISBN 978-3-86933-091-4

(NGZ)