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Kaarst: Kaarster Serientäter vor Gericht

Kaarst : Kaarster Serientäter vor Gericht

Mit 15 Jahren verurteilte ein Gericht Heinrich K. wegen sexuellen Missbrauchs. Seither ist er immer wieder rückfällig geworden. Als Jugendlicher galt der 50-Jährige als Sonderling. Jetzt sitzt er wieder auf der Anklagebank.

In seiner Heimatstadt Kaarst lebt Heinrich K. schon seit 30 Jahren nicht mehr. Irgendwann war er verschwunden. Wohin und warum, das wusste niemand genau. Der heute 50-Jährige hatte nie viele Freunde. An den Sonderling und Einzelgänger, den "Krakeelheini", der auf der Haupt- und später auf der Förderschule immer Anschluss suchte, aber nie welchen fand, erinnern sich Klassenkameraden und Altersgenossen aber trotzdem genau: "Er war stadtbekannt", sagt RTL-Chefreporter Dirk Reuter. Heinrich K. begegnete der Journalist im Dezember vergangenen Jahres am Landgericht Dortmund wieder. Dort sitzt der gelernte Dreher K. derzeit auf der Anklagebank.

Gutachter halten den mehrfach rückfällig gewordenen Sexualstraftäter für "gefährlich" und "unbelehrbar". Nach seiner Freilassung im September 2010 galt er dennoch zunächst als Musterbeispiel für gelungene Resozialisierung. Die Polizei lockerte die Kontrollen, wenige Tage später verging sich K. an einer Siebenjährigen. In den Medien und in der Politik hat der Fall die Debatte über die Sicherungsverwahrung neu entfacht.

Elfmal ist Heinrich K. in seinem Leben verurteilt worden, allein fünfmal wegen sexuellen Missbrauchs. Schon im Alter von 15 Jahren lockte er erstmals ein Kind in einen Wald und zog sich vor ihm aus. In den folgenden Jahren folgten weitere Taten, weitere Verurteilungen und immer wieder Gefängnisaufenthalte. Fast 20 Jahre hat K. hinter Gittern gesessen, davon 18 Jahre an einem Stück. Im Oktober 1992 entschied das Landgericht Düsseldorf: Sicherungsverwahrung. Aus der wurde K. im September 2010 entlassen — infolge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.

Die Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie aus dem 50-Jährigen ein nicht therapierbarer Sexualstraftäter wurde, führte die Gutachter in seine Kindheit, also nach Kaarst. K. wuchs dort bei seinen Eltern in der Stadtmitte auf. Er selbst sagt, sein Vater habe ihn regelmäßig geschlagen. Vom Großvater wurde er angeblich sexuell missbraucht. "Dieser Mann ist ein verschlossener Einzelgänger", betont auch K.'s Strafverteidiger Alfons Becker. "Jemand, der auf der Welt keinen Menschen mehr hat." Kurz nach seiner letzten Tat lernte Heinrich K. eine Frau kennen. Zum ersten Mal in seinem Leben führte er eine Beziehung — bis er im Juli 2011 anhand von DNA-Spuren überführt wurde.

Auch Dachdecker Bernd Heussen aus Kaarst kann sich an seinen Klassenkameraden K. noch dunkel erinnern. Bei den Mädchen, sagt er, hatte er nie einen Schlag. Mit Geld habe K. versucht, Sympathien zu gewinnen. "Trotzdem wollte niemand etwas mit ihm zu tun haben. Er war einfach ein komischer Typ."

Im aktuellen Prozess droht K. erneut die Sicherungsverwahrung. Das Urteil soll im Februar fallen.

(NGZ/url)